Der Stromanbieter Extraenergie bietet Verbrauchern einen im ersten Jahr kostenlosen Haushaltsschutzbrief zum Strom- oder Gasvertrag an. Im Folgejahr kostet der Schutzbrief monatlich maximal 7,99€. Der ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief bietet Schutz vor den kleinen Risiken im Haushalt. Dieser Zusatzservice klingt auf den ersten Blick verlockend. Verbraucher sollten jedoch bei der Kündigung des Haushaltsschutzbriefs aufpassen. Zudem stellt sich die Frage, ob der ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief überhaupt sinnvoll ist. (Stand Februar 2018)

ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief kündigen: Vorsicht Falle

Laut AGB (Stand Februar 2018) sind der Strom- oder Gasvertrag und der ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief rechtlich eigenständige Verträge. Daher müssen beide Verträge separat gekündigt werden. Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie andere Verbraucher zuvor, dass Sie lediglich Ihren Strom- oder Gasvertrag kündigen. Der Haushaltsschutzbrief läuft laut AGB dann weiter und kostet Sie monatlich 7,99€ (Stand Februar 2018).
Die zweite Falle besteht darin, dass der Vertragsbeginn des Gas- oder Stromvertrags vom Haushaltsschutzbrief abweichen. Noch schlimmer: Die Kündigungsfrist des Haushaltsschutzbriefs beträgt 3 Monate, die der Strom- und Gasverträge sind kürzer und betragen häufig nur 6 Wochen. Es besteht somit die Gefahr, dass ein Kunde seinen Strom- und Gasvertrag kündigen möchte, nachdem die Kündigungsfrist für den Haushaltsschutzbrief bereits abgelaufen ist. Wenn Sie die Kündigungsfrist verpassen, verlängert sich der Zusatz-Vertrag automatisch um 12 Monate. Dieser Fehler kostet Sie 7,99€ im Monat, bzw. 95,88€ für alle 12 Monate.

ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief: Ist dieser Zusatzservice überhaupt sinnvoll?

Die Stiftung Warentest und Öko-Test sehen Haushaltsschutzbriefe kritisch. Deren Argumente treffen meiner Meinung nach auch auf den Zusatzvertrag von ExtraEnergie zu:

  • Der Extraenergie Haushaltsschutzbrief deckt nur einen Teil aller möglichen Kernleistungen ab.
  • Es heißt, dass Entschädigungsleistungen bis zu 1.500€ geleistet werden. Diese Leistungen unterliegen jedoch zahlreichen Einschränkungen. Eine Einschränkung sei an dieser Stelle erwähnt: 12 der 13 Kernleistungen sind auf 500€ beschränkt.
  • Die abgesicherten Schäden dürften nur sehr selten vorkommen. Wie häufig gelangen Sie nicht in Ihre Wohnung, weil der Schlüssel abhandengekommen ist oder weil Sie sich ausgesperrt haben? Oder wie häufig mussten Sie ein Wespennest entfernen lassen?
  • Insbesondere bei Mietern lohnt sich eine Zusatzversicherung nicht. „Es wird immer wieder versucht, solche Policen auch an Mietern zu verkaufen, doch für die machen sie keinen Sinn“ (Öko-Test). Der Grund hierfür ist, dass für die meisten der versicherten Leistungen der Vermieter aufkommen muss. Diese Auffassung vertritt auch Stiftung Warentest beim Haus- und Wohnschutzbrief der Allianz: „Der Schutzbrief ist zwar nicht teuer, aber wegen der starken Leistungsbegrenzungen auch nicht sinnvoll. Speziell Mietern nützt die Police praktisch nichts, denn für unverschuldete Schäden an Mietsachen muss der Vermieter aufkommen, es sei denn, laut Mietvertrag muss der Mieter Kleinreparaturen bezahlen. Für Hauseigentümer macht die Police nur Sinn, wenn sie zu bequem sind, bei entsprechenden Schadensfällen selbst nach einem günstigen Handwerker zu suchen.“
  • Der Haushaltsschutzbrief bringt nichts, wenn der Verbraucher die Risiken bereits mit anderen Versicherungen abgedeckt hat.

Fazit zum ExtraEnergie Haushaltsschutzbrief:

Für die meisten Verbraucher lohnt sich der Zusatzservice nicht. Andererseits kann man argumentieren, dass der Haushaltsschutzbrief im ersten Jahr kostenlos ist. Verbraucher, die den Haushaltsschutzbrief abschließen möchten, sollten jedoch die Hinweise zur Kündigung genau beachten und am besten zwei Monate vor Kündigungsfrist schriftlich kündigen. Hinweise, worauf Sie bei der Kündigung von ExtraEnergie achten sollten, erfahren Sie hier. Erstellen Sie sich auch unbedingt eine Kündigungserinnerung.

Ich persönlich finde es befremdlich, dass ein Stromanbieter dieses Lockangebot unterbreitet, ohne den Verbraucher aufklärt, für welche Zielgruppe diese Zusatzversicherung überhaupt relevant ist. Unter weitere Informationen werden vom Unternehmen lediglich die AGBs bereitgestellt. Problematisch empfinde ich auch, dass der Verbraucher erst in den AGBs erfährt, dass es sich bei dem Strom- bzw. Gasvertrag und der Zusatzversicherung um zwei separat zu kündigende Verträge mit unterschiedlichen Kündigungsfristen handelt. Dies ist für den Verbraucher überraschend und dürfte daher auch unzulässig sein. Seriöse Stromanbieter würden mit Sicherheit mehr Aufklärung betreiben!

ExtraEnergie Erfahrungen:

Die ExtraEnergie GmbH zählt zu den Stromanbietern mit den meisten Verbraucherbeschwerden. Bemängelt werden insbesondere Preiserhöhungen, fehlerhafte Stromabrechnungen, verspätete Stromabrechnungen und verspätete Auszahlungen von Guthaben & Sofortbonus sowie Probleme bei der Kündigung. Es gibt auch einige Beschwerden hinsichtlich des Haushaltsschutzbriefs. Details und statistische Auswertungen zu den Extraenergie Erfahrungen erfahren Sie hier.
Aufgrund der zahlreichen Verbraucherbeschwerden kann ich ExtraEnergie nicht empfehlen. Ich rate stattdessen zu Stromanbietern zu wechseln, vor denen nicht auf Foren oder in der deutschen Presse gewarnt wird. Wie Sie einen seriösen Stromanbieter finden, erfahren Sie hier:

 

Dieser Text wurde Ende Februar 2018 erstellt. Vertragsdetails und die AGBs können sich inzwischen geändert haben. Maßgeblich sind stets Ihre Vertragsunterlagen. Ferner gibt der Autor lediglich seine Meinung wieder. Trotz dieser Sorgfalt sind Fehler oder Ungenauigkeiten nicht auszuschließen und es handelt sich um keine Rechts- oder Versicherungs-Beratung.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Haushaltsschutzbrief gemacht? Würden Sie diese Zusatzversicherung empfehlen?

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