Verbraucher sind häufig verpflichtet, den Zählerstand mitzuteilen

Verbraucher außerhalb der Grundversorgung haben sich in der Regel dazu verpflichtet, ihrem Stromanbieter den Zählerstand mitzuteilen. Kommt der Verbraucher nach erneuter Aufforderung seiner Verpflichtung nicht nach, darf der Stromanbieter den Verbrauch schätzen.

Der in Abrechnungen abgerechnete Energieverbrauch wird grundsätzlich auf Basis des Zählerstandes des Kunden ermittelt. Dazu liest der Kunde regelmäßig, das heißt mindestens zum Datum des Belieferungsbeginns, zum Ablauf eines jeden Belieferungsjahres, sowie zum Datum des Endes der Belieferung, den Zählerstand am Ort der Entnahmestelle selbst oder durch einen Beauftragten ab und teilt das Ergebnis der Ablesung dem Lieferanten binnen einer Woche mit. Soweit dem Energieversoger kein Zählerstand zum Abrechnungsstichtag vorliegt oder der vom Kunden zum Abrechnungsstichtag mitgeteilte Zählerstand nicht nachvollziehbar oder unplausibel ist, ist der Lieferant berechtigt, den Energieverbrauch unter Berücksichtigung sonstiger vorliegender Zählerstände, der tatsächlichen Verhältnisse sowie der Erfahrungswerte bei vergleichbaren Kunden zu schätzen oder für die Abrechnung eine vom jeweiligen Verteilnetz- oder Messstellenbetreiber vorgenommene Schätzung zu verwenden, sofern diese nicht ihrerseits unplausibel ist.“ (AGB-Klausel 4.5 der Fuxx Sparenergie vom 13.02.2018).

Fehlerursachen und Handlungsempfehlungen

Falsche Zählerstände können aufgrund eines Fehlers durch den Verbraucher, durch den Stromanbieter oder aufgrund einer Verbrauchsschätzung vorliegen. Im Folgenden werden Handlungsempfehlungen für die folgenden Sachverhalte beschrieben:

Stromverbrauch geschätzt, falscher Zählerstand

Fall a): Richtiger Zählerstand gemeldet und plausibler Verbrauch

Wenn der Verbraucher einen plausiblen Zählerstand gemeldet hat, darf der Stromanbieter oder Gasanbieter keinen anderen Zählerstand verwenden. Vor diesem Hintergrund sollten Sie Ihren Versorger um Korrektur der Rechnung bitten. Hierfür dürfen keine Zusatzkosten anfallen, denn der Fehler liegt beim Versorger.

Fall b): Richtiger Zählerstand gemeldet, aber kein plausibler Verbrauch

Wenn Sie einen überraschend hohen oder niedrigen Zählerstand gemeldet haben, kann der Versorger von einem Fehler des Verbrauchers ausgehen und unter gewissen Voraussetzungen einen Verbrauch schätzen. Selbstverständlich darf die Schätzung nicht willkürlich sein, sondern muss anhand klarer Vorgaben erfolgen (siehe unten).

In diesem Fall empfehle ich, dass Sie Ihre Angaben auf Plausibilität überprüfen. Hierzu können Sie z.B. den Verbrauch seit der letzten Abrechnung ermitteln und auf das Jahr hochrechnen. Wenn Sie zudem gute Gründe für einen deutlich höheren oder niedrigeren Verbrauch haben, dann sollten Sie sich mit Ihrem Gas- oder Stromanbieter in Verbindung setzen. Erklären Sie, warum Sie den Verbrauch als plausibel erachten, wie Sie Ihren Verbrauch seit der letzten Meldung auf das Jahr hochgerechnet und damit plausibilisiert haben. Anschließend sollten Sie um eine Korrektur der Rechnung bitten.

Es wäre denkbar, dass der Versorger einen niedrigeren Verbrauch geschätzt hat und dass dadurch Ihre Stromrechnung niedriger ausfällt als bei dem von Ihnen angegebenen Verbrauch. In diesem Fall sollten Sie sich nicht voreilig über den (vermeintlichen!) Fehler des Versorgers freuen, sondern die Ausführungen des Falls e) lesen. Sie werden erkennen, dass Sie in eine (Kosten-)Falle laufen können, wenn Sie nicht handeln.

Falls Sie einen deutlich zu hohen Verbrauch nicht nachvollziehen können, besteht die Möglichkeit, dass Ihr Stromzähler defekt ist. Sie können eine Stromzählerprüfung veranlassen, die Ihnen zunächst ca. 180€ kostet. Wenn sich herausstellt, dass der Zähler defekt ist und daher den Verbrauch nicht korrekt anzeigt, werden Ihnen die Kosten erstattet.

Fall c): Verbraucher hat falschen Zählerstand gemeldet

Wenn Sie einen falschen Zählerstand mitgeteilt haben, dann ist der Sachverhalt recht einfach: Melden Sie den aktuellen Zählerstand und bitten Sie Ihren Stromanbieter, die Rechnung zu korrigieren. Es besteht allerdings die Gefahr, dass einige Stromanbieter Ihnen hierfür eine Gebühr in Rechnung stellen (siehe hier). Sie können bei einer geringfügigen Abweichung abwägen, ob Sie den Stromanbieter auf Ihren Fehler aufmerksam machen wollen. Den vermeintlichen Zusatzkosten müssten Sie die vermeintliche Preiserhöhung beim Arbeitspreis gegenüberstellen.

Fall d): Verbraucher hat keinen Zählerstand gemeldet und Verbrauchsschätzung ist zu hoch

Überprüfen Sie die Verbrauchsschätzung Ihres Stromanbieters, indem Sie den aktuellen Zählerstand mit der Schätzung vergleichen. Natürlich müssen Sie berücksichtigen, dass Sie seit der Abrechnungsperiode Energie verbraucht haben. Wenn die Schätzung des Versorgers zu hoch ausgefallen ist, können Sie wie in Fall c) beschrieben vorgehen.

Fall e): Verbraucher hat keinen Zählerstand gemeldet und Verbrauchsschätzung ist zu niedrig

Auf den ersten Blick könnten Verbraucher sich über diesen vermeintlichen Fehler des Gas- oder Stromanbieters freuen, da deren Jahresrechnung niedriger ausgefallen ist als gedacht. Verbraucher sollten sich jedoch nicht darüber freuen, denn es besteht die Gefahr, dass sie in eine (Kosten-)Falle laufen:

Verbraucherschützer warnen, dass einige Stromanbieter bei ihren Kunden zunächst einen zu niedrigen Verbrauch schätzen, um im Folgejahr nach einer kräftigen Preiserhöhung höhere Verbräuche zu höheren Kosten unterstellen zu können. In diesem Fall bietet es sich an, den aktuellen Ablesewert den Stromanbieter mitzuteilen, um eine korrigierte Rechnung einzufordern, bei der der Zählerstand rechnerisch auf den Zeitpunkt der letzten Abrechnungsperiode zurückgerechnet wird.

Es gibt auch Fälle, in denen über Jahre der Verbrauch unterschätzt wurde und hohe Nachzahlungssummen sich aufaddierten. Wenn sich nachträglich herausstellt, dass der Verbraucher über z.B. 5 Jahre zu wenig gezahlt hat, muss der Verbraucher lediglich die Differenz der letzten drei Jahre nachzahlen (Az.: 5 S 185/06), weil nach drei Jahren alle Forderungen des Strom- oder Gasversorgers verjähren. Der Verbrauch der letzten drei Jahre muss dann rechnerisch ermittelt werden, um den Verbrauch mit den damals gültigen Arbeitspreis zu berechnen. Der Verbraucher darf außerdem um eine Ratenzahlung bitten.

Weiterführende Empfehlungen

  • Machen Sie ein Foto vom Zählerstand und teilen Sie sowohl Ihrem Strom- bzw. Gasanbieter als auch Ihrem Versorger den Zählerstand mit. Einige Versorger bieten an, den Zählerstand in das Kunden-Portal einzutragen. Dies können Sie tun, allerdings können Sie im Falle eines fehlerhaften Zählerstands nicht nachweisen, dass Sie den richtigen Zählerstand überwiesen haben. Insbesondere bei den Strom- und Gasanbietern, vor denen ich warne (siehe hier), empfehle ich den Zählerstand zusätzlich per E-Mail an Ihren Versorger und Ihren Netzbetreiber zu übermitteln.
  • Überprüfen Sie in Ihrer Jahresabrechnung die Anfangs- und Endzählerstände. Bei einigen Stromanbietern, vor denen ich warne, passieren nach meiner Einschätzung überraschend viele „Zahlendreher“. Dies zeigt sich auch anhand zahlreicher Verbraucherbeschwerden (Studie 2018).
  • Wenn Sie bereits Probleme mit Ihrem Stromanbieter hinsichtlich fehlerhafter Zählerstände haben, sollten Sie monatlich die Zählerstände aufschreiben und fotografieren. Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung hilft dies vor Gericht.
  • Selbst wenn eine Schätzung unzulässig war und der Verbraucher Widerspruch eingelegt hat, muss er die Rechnung zunächst begleichen. Zu viel gezahltes Geld kann der Verbraucher zurückverlangen, nachdem die Rechnung korrigiert wurde.

Wann darf der Verbrauch geschätzt werden?

Wenn der Verbraucher verpflichtet ist den Zählerstand zu melden, aber seiner Verpflichtung nicht nachkommt, kann der Anbieter den Verbrauch schätzen. Hierzu muss der Verbraucher allerdings zuvor aufgefordert worden sein und er muss einem Ableser vom Versorger den Zugang zum Zähler verwehrt haben. Verbraucherbeschwerden belegen, dass einige Versorger eine Verbrauchsschätzung auch ohne vorherige Aufforderung des Kunden zur Übermittlung des Zählerstands vornehmen. Dies ist unzulässig. Betroffenen Verbrauchern empfehle ich schriftlich zu widersprechen und eine korrigierte Rechnung einzufordern.

Wie wird der Verbrauch geschätzt?

Das Gesetz schreibt vor, dass sich der Stromanbieter bei seiner Schätzung an dem letzten Verbrauch, der regulär ermittelt werden konnte, zu orientieren hat. Liegen dazu keine Vergangenheitsdaten vor, z.B. aufgrund eines Umzugs, muss der Verbrauch anhand von Erfahrungswerten von vergleichbaren Wohnungen ermittelt werden.

 

Haftungsausschluss: Trotz aller Sorgfalt kann dieser Text und Inhalte auf der Internetseite Fehler enthalten. Es handelt sich ferner nicht um eine Beratungsleistung, sondern um die Meinung des Autors. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit falschen Zählerständen gemacht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, um anderen Verbrauchern zu helfen!

Falsche Zählerstände in Stromrechnung
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Ein Gedanke zu „Falsche Zählerstände in Stromrechnung

  • 23. September 2018 um 19:02
    Permalink

    Leider finde ich im Netz keinen vergleichbaren Fall sodaß ich hier mal mein Glück versuche.
    Mein Stromversorger hat vom Netzbetreiber nicht die Nummer meines Zählers übermittelt bekommen.
    Nach 2 Jahren Schätzung bin ich jetzt in der Lage Zählerstände zu übermitteln. Wegen der völligen Fehlschätzung des Verbrauchs droht jetzt eine Nachzahlung von 5000-6000 €
    Meine Frage ist jetzt, ist das so zulässig? Ich hatte keinen Einfluss darauf das die korrekte Zählernummer im System ist oder nicht und ich somit gehindert wurde online Zählerstände abzugeben.
    Wäre früh für jeden Hinweis was ich jetzt machen soll.

    Danke
    Alexander

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