Bisherige Stromanbieter-Insolvenzen waren für Verbraucher fatal

Über eine Million Verbraucher waren von den Insolvenzen der Stromdiscounter Teldafax, Flexstrom (2013), CareEnergy (2017), Enversum (2018) und e:veen (2018) betroffen.

Sie verloren ihr Guthaben und teilweise werden die ehemaligen Kunden auch noch heute mit skurrilen Forderungen konfrontiert. Da die Strom- und Gasversorgung nicht aufrechterhalten werden kann, werden die Verträge mit den Verbrauchern gekündigt und die teurere Grundversorgung springt ein. Viele Kunden klagen auf Verbraucherforen und Beschwerdeseiten, dass ihr Wechsel zum vermeintlich billigeren Anbieter ein Fehler war.

Häufig kündigten sich die Insolvenzen der Stromanbieter im Voraus an, indem z.B. Guthaben trotz Mahnungen den Verbrauchern nicht ausgezahlt und Geschäftsberichte nicht mehr fristgerecht veröffentlicht wurden: „Im Oktober 2010 wurde öffentlich, dass der Billigstromanbieter ein Fass ohne Boden war. Kunden zahlten ihren Strom im Voraus. Wenn sie ihre Guthaben einforderten, gerieten sie in eine endlose Warteschleife. Testierte Bilanzen existierten nicht, der Gründer des Unternehmens war schon wegen Anlagebetrugs verurteilt und je näher man hinschaute, desto hässlicher wurde das Bild. Die Bundesnetzagentur war als Aufsichtsbehörde schon 2008 darüber informiert, dass sich bei Teldafax die Rechnungen stapelten. Das Hauptzollamt Köln stellte 2009 die Insolvenzreife des Unternehmens fest. Doch da niemand die Vorstände stoppte, machten sie einfach weiter… Laut Insolvenzgutachten war Teldafax seit Juni 2009 insolvenzreif.“ (Quelle) Bei der Schlichtungsstelle gingen zahlreiche Verbraucherbeschwerden hinsichtlich verspäteter Guthabenauszahlungen ein, bevor CareEnergy letztendlich pleite ging.

Im Falle von e:veen häuften sich vor der Insolvenz die Beschwerden auf Reclabox. Viele Verbraucher beschwerten sich, dass die Rechnungserstellung sowie die Guthabenauszahlung nicht erfolgt und dass sie zu hohe Abschläge bezahlen müssen. Insofern kündigte sich die Insolvenz des Stromanbieters e:veen bereits im Voraus an.

Auch im Jahr 2018 beschweren sich zahlreiche Verbraucher über einzelne Stromanbieter, dass Ihre Guthaben nicht ausgezahlt werden. Die gleichen Stromanbieter halten zudem die Veröffentlichungspflichten der Geschäftsabschlüsse nicht ein. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, wenn Verbraucher verunsichert sind.

In diesem Beitrag möchte ich die Befürchtungen der Verbraucher zusammentragen. Ich argumentiere auch, dass Probleme dieser Art für Verbraucher leicht vermeidbar sind. Zusammenfassend kann ich allen Verbrauchern nur empfehlen, sich einen seriösen Stromanbieter zu suchen. Hierzu habe ich eine praxiserprobte Vorgehensweise entwickelt.

Gründe für die zahlreichen Insolvenzen

Die Stromanbieter-Pleiten haben eines gemeinsam: Es handelt sich um Stromdiscounter ohne eigenes Strom- und Gasnetz, die aufgrund ihres riskanten Geschäftsmodells sich verkalkuliert haben. Deutlich wird dies z.B. im Fall von Enversum: Nach energate-Informationen hatte Enversum Strom zu sehr günstigen Konditionen verkauft und dabei auf weiter fallende Preise gesetzt. Es kam dann aber anders.

Laut einer Studie von A.T. Kearney aus dem Jahr 2012 fahren Stromdiscounter im ersten Vertragsjahr Verluste zwischen 175€ bis 145€ bei einem Vertrag mit 3.500 kWh ein. Die Stromdiscounter zahlen hohe Provisionen an Vermittler und gewinnen die Neukunden mit teuren Boni. Der Vertrag mit den Kunden rechne sich für den Anbieter nur, wenn Verluste in Form von schnellen und drastischen Preiserhöhungen und Einbehalten von Neukundenboni in den Folgejahren kompensiert werden würden. Dieses Geschäftsmodell sei laut A.T. Kearney riskant. Zudem gehe dieses Geschäftsmodell zu Lasten der Kundenzufriedenheit. Denn drastische Preiserhöhungen sind unzulässig (der Gewinnanteil darf nicht nachträglich gesteigert werden) und viele Bonus-Einschränkungen sind vor Gericht nicht durchsetzbar.

Die Befürchtungen der Verbraucher

Zu den häufigsten Beschwerden gehört, dass Strom- und Gasanbieter zu hohe Abschläge einziehen, Rechnungen nur verspätet erstellen und Guthaben häufig erst nach vielen Mahnungen auszahlen. Es wundert daher nicht, dass Kunden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit dieser Stromanbieter haben und die nächste Insolvenz eines großen Stromanbieters befürchten:

Auf Reclabox fragte am 20.02.2018 ein Verbraucher: „Ist ExtraEnergie insolvent oder einfach nur dreist?

Ein anderer Verbraucher schrieb am 26.02.2018 in seiner Beschwerde gegenüber BEV: „Aufgrund der Häufigkeit derartiger Beschwerden im Internet könnte den Verdacht aufkommen lassen, daß das Ignorieren der Kundenforderungen entweder a) Teil des Geschäftsmodells ist oder b) die Finanzsituation der Firma (Gefahr der Insolvenz?) eine schnellere Bearbeitung nicht zuläßt.

Sind die Befürchtungen der Verbraucher begründet?

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Verbraucher die Parallelen zu den früheren Stromanbieter-Insolvenzen erkennen. Dennoch fehlt es mir bei der Diskussion an Fakten oder belastbaren Hinweisen. Belastbare Hinweise könnten z.B. die testierten Jahresabschlüsse der Energieversorger liefern. Aus diesem Grund habe ich die Jahresabschlüsse der ExtraEnergie GmbH, der BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH, Fuxx – Die Sparenergie GmbH und EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH zusammengetragen (Stand: 26.02.2018, Quelle: Bundesanzeiger.de). Da ich kein Wirtschaftsprüfer bin, werde ich nur mit Vorsicht die Jahresabschlüsse kommentieren. So viel lässt sich jedoch festhalten: Die Fristen zur Veröffentlichung der Geschäftsberichte werden nach meiner Einschätzung nach nicht immer eingehalten und im Fall EVD habe ich als promovierter Betriebswert etwas dazugelernt: Trotz negativem Eigenkapital in Millionenhöhe lassen sich Insolvenzen abwenden, sofern die Zukunftsprognose der Geschäftsführung positiv ausfällt. Ich hoffe sehr, dass die Bundesnetzagentur ihre Aufgabe gewissenhaft erfüllt (nicht so wie im Fall TeldaFax!) und Verbraucher vor insolvenzreifen Energieversorgern schützt.

ExtraEnergie GmbH:

Der Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2014 ist der letzte eingestellte Bericht. Dies verwundert mich, weil bei BEV, Fuxx Sparenergie und anderen Stromanbietern die Geschäftsberichte 2015 bereits eingestellt hat. Zudem muss der Jahresabschluss spätestens 12 Monate nach dem Ende des betreffenden Geschäftsjahres im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Unternehmen diese Frist „vergessen“ hat.

Im Jahr 2014 machte ExtraEnergie einen Verlust i.H.v. 22 Mio. € (Jahresfehlbetrag). Das Eigenkapital fiel von 49 Mio. € (2013) auf 27 Mio. €. Da die ExtraEnergie GmbH in einem Konzern eingebunden ist, werden diese Kennzahlen nicht viel aussagen können.

BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH:

Im Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2015 ist ein Jahresüberschuss i.H.v. 4 Mio. € (Vorjahr: -4,6 Mio. €) und ein Eigenkapital von 35 T€ ausgewiesen. Das Unternehmen sieht die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage positiv:

  • „Ertragslage: Die BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH erwirtschaftete in 2015 einen Jahresüberschuss von 4,0 Mio. EUR.
  • Finanzlage: Die finanzielle Lage der BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH ist äußerst solide. Die zum Stichtag per 31.12.2015 ausgewiesenen liquiden Mittel betrugen 12,8 Mio. EUR. Die Gesellschaft hat keinerlei Verpflichtungen bei Kreditinstituten. Im Zuge der positiven Geschäftsentwicklung ist die Bilanzsumme auf 44,4 Mio. EUR angestiegen.
  • Vermögenslage: Durch die Einlage des Jahresüberschusses in das Eigenkapital (Thesaurierung) konnte die Eigenkapitalquote weiter verbessert werden. Diese Strategie soll nachhaltig fortgeführt werden.“ (Quelle Bundesanzeiger.de)

Fuxx – Die Sparenergie GmbH

Im Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2015 wird ein Jahresüberschuss i.H.v. 49 T€ (Vorjahr: 86 T€) und ein Eigenkapital von 142 T€ (Vorjahr: 93 T€) ausgewiesen.

EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH

Im Forum des Bundes der Energieversorger wurde bereits in 2014 die Frage gestellt, ob EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH bald pleite sei (siehe hier und hier). Anlass der Frage ist, dass das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2012 ein negatives Eigenkapital ausweist. Im Jahr 2014 betrug das bilanzielle Eigenkapital -7,7 Mio. € und in 2015 -5,3 Mio. €. Leider liegen keine neueren Geschäftsberichte im Bundesanzeiger vor.

Das negative Eigenkapital stellt allem Anschein nach kein Problem für den alleinigen Geschäftsführer Thomas Stiegler dar:

„Nach Einschätzung der Geschäftsführung steht dieser Feststellung eine Fortführung des Unternehmens jedoch nicht entgegen, da aus der mittelfristigen Unternehmensplanung eine positive Fortführungs- bzw. Fortbestehensprognose abzuleiten ist und da die in der Planung enthaltene Finanzplanung nicht zu der Annahme führt, dass dem Unternehmen die Zahlungsfähigkeit droht.“ (Geschäftsbericht 2014)

Neben dem hohen, negativen Eigenkapital irritieren mich drei weitere Punkte:

  1. Die Finanzierung des Unternehmens sehe ich kritisch. Da das Unternehmen keine Kredite von Dritten aufnahm, finanziert es sich anscheinend ausschließlich über die Kunden. „Das Handelsgeschäft der EVD wird im Berichtszeitraum im Wesentlichen darüber finanziert, dass die Gesellschaft von ihren Kunden am Beginn des jeweiligen Monats Vorauszahlungen für die entsprechenden Versorgungsleitungen vereinnahmt. Die Aufnahme von Krediten von Dritten war nicht notwendig.“ (Geschäftsbericht 2015)
  2. Das Unternehmen verlor in 2015 68.840 Kunden und hatte im Durchschnitt nur 66.466 Kunden. Demnach verließen in großen Massen die Verbraucher das Unternehmen. Dies ist äußerst problematisch, weil Stromdiscounter im ersten Vertragsjahr hohe Verluste einfahren, die sie mit Hilfe einer langjährigen Kundenbindung wieder kompensieren müssen (Studie A.T. Kearney 2012). Anhand des hohen Kundenverlusts kann ich somit keine positive Entwicklung ableiten.
  3. Das Unternehmen hat das Geschäftsjahr 2016 noch nicht veröffentlicht, obwohl aus meiner Sicht die Frist längst abgelaufen ist.

Ist EVD insolvent
EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH Geschäftsbericht 2015

Empfehlungen

Die Insolvenz eines Stromanbieters kommen Verbrauchern teuer zu stehen, da Guthaben verloren geht und der Verbraucher vorerst in der teuren Ersatzversorgung mit Energie versorgt wird. Zudem kündigten sich Stromanbieter-Pleiten in der Vergangenheit häufig mit z.B. versteckten Preiserhöhungen sowie Verzögerungen bei der Auszahlung des Guthabens an. Diesen Ärger können Sie sich leicht ersparen, indem Sie bei der Wahl Ihres Stromanbieters nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Qualität achten. Leider listen die Tarifrechner nur die Unternehmen nach Preis auf und geben kaum Hinweise darauf, welche Stromanbieter seriös sind.

Um Verbraucher vor unseriösen Strom- und Gasanbietern zu schützen, habe ich wichtige Informationen zusammengetragen und eine Vorgehensweise entwickelt, wie Verbraucher innerhalb von 5 Minuten einen seriösen und günstigen Stromanbieter finden. Neben einer Statistik zu den Verbraucherbeschwerden und Hinweisen zu verbraucherunfreundlichen AGBs habe ich die Service-Qualität aus mehreren Stromanbieter-Tests zusammengetragen. Sie erkennen auf einen Blick, welche Stromanbieter Sie nach meiner Einschätzung Sie meiden sollten und welche vertrauenswürdig sind.

seriöse Stromanbieter schützen vor Stromanbieter-Insolvenzen

Solange Sie Kunde bei einem vermeintlich insolvenzgefährdeten Stromanbieter sind, empfehle ich Ihnen Folgendes:

  1. Prüfen Sie, ob Sie zu hohe Abschläge zahlen.
  2. Drängen Sie darauf, dass Ihr Guthaben zeitnah ausgezahlt wird.

 

Haftungsausschluss: Trotz aller Sorgfalt kann dieser Text und Inhalte auf der Internetseite Fehler enthalten. Es handelt sich ferner lediglich um die Meinung des Autors und nicht um Beratungsleistungen oder ähnliches. Zur finanziellen Stabilität von Strom- und Gasanbietern hat der Autor lediglich Fakten zusammengetragen und darauf seine Meinung abgeleitet – er trifft allerdings keine Aussagen zur Solvenz dieser Unternehmen.

Welche Meinung haben Sie zu diesem Thema? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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