Wehren Sie sich gegen zu hohe Abschlagszahlungen!

Stromabschläge müssen sich am Vorjahresverbrauch orientieren. Kunden brauchen nicht in Vorleistung zu gehen.

Wenn Ihr Stromanbieter einerseits viel zu hohe Abschläge fordert und andererseits bekannt dafür ist, Guthaben aus den Jahresabrechnungen nur mit Verzögerung und widerwillig zurückzuzahlen, dann sollten Sie handeln. Auch wenn der Versorger droht Pleite zu gehen, ist Eile geboten: Der über den Verbrauch hinaus gezahlte Betrag ist meistens für immer verloren. Fordern Sie daher Abschlagszahlungen ein, die sich am tatsächlichen Verbrauch orientieren. Wie Sie vorgehen sollten, erfahren Sie hier.

Aktuelle Stromverbräuche rechtfertigen keine höheren Abschläge.

Entscheidend für die Höhe der Stromabschläge ist – wie bereits gesagt – der Verbrauch der vorangegangenen Abrechnungsperiode. Aktuelle Stromverbräuche rechtfertigen keine Erhöhung der Abschläge. Erst wenn eine neue Abrechnung erstellt ist, darf der Abschlag von Stromanbieter angepasst werden.

Stromanbieter profitieren von zu hohen Abschlägen

Energieversorger profitieren von zu hohen Abschlagszahlungen, denn die Verbraucher stellen dem Versorger eine Art kostenlosen Kredit zur Verfügung. Dieser kostenlose Kredit wird von einigen Anbietern mit unlauteren Mitteln eingetrieben. Das Landgericht Düsseldorf (AZ: 12 O 474/12) hat z.B. ExtraEnergie verurteilt zu unterlassen, „bei der Abschlagsberechnung für die künftige Abrechnungsperiode einen höheren Verbrauch zugrunde zu legen, als er sich aus der Jahresrechnung für die vorausgegangene Abrechnungsperiode ergibt.“

Rechtliche Grundlage

Entscheidend für die Berechnung der Abschlagszahlungen ist für Verbraucher außerhalb der Grundversorgung §41 Abs (2) EnWG:

Abschläge sind anhand des Vorjahresverbrauchs zu berechnen. Wenn dies nicht möglich ist (z.B. weil Sie umgezogen sind und es keinen Vorjahresverbrauch gibt), dann darf die Abschlagszahlung sich nach dem durchschnittlichen Verbrauch vergleichbarer Kunden richten. Wenn der Kunde glaubhaft macht, dass der Verbrauch erheblich geringer ausfällt, so muss der Versorger dies angemessen berücksichtigen. Bei Preisanstiegen darf die Abschlagszahlung nur im gleichen Verhältnis erhöht werden.

Zu hohe Abschlagszahlungen treten häufig beim Wechsel des Stromanbieters ein.

Bei länger bestehenden Vertragsbeziehungen sind überhöhte Abschlagszahlungen selten, weil der Stromanbieter verpflichtet ist, die Abschlagszahlung abhängig vom Vorjahresverbrauch zu ermitteln. Steigende Abschläge resultieren dann entweder aus einem gestiegenem Jahresverbrauch oder weil die Preise erhöht wurden. In den meisten Fällen liegen zu hohe Abschlagszahlungen daher bei einem Anbieterwechsel vor.

Wie können Sie beim Stromanbieterwechsel im Voraus zu hohe Abschlagszahlungen vermeiden?

Beim Anbieterwechsel geben Sie häufig selbst den voraussichtlichen Jahresverbrauch an. Versuchen Sie daher Ihren zukünftigen Stromverbrauch möglichst genau zu schätzen – z.B. anhand der vorherigen Jahresabrechnung. Meiner Erfahrung nach fallen die bei Vergleichsportalen angegebenen Durchschnittsverbräuche pro Person zu hoch aus. Darauf sollten Sie sich somit nicht verlassen.

Welche Gründe gibt es für zu hohe Abschlagszahlungen und was kann ich dagegen tun?

Grund 1: Der Stromanbieter verwendet nicht ihre Verbrauchsprognose. Stattdessen verwendet er die Prognose Ihres zuständigen Netzbetreibers. Diese Prognose kann sich auf Ihren Vorjahresverbrauch, dem Vormieter oder auf Vergleichsgruppen stützen.

Der Stromanbieter ist verpflichtet, höhere Abschläge zu begründen. Fragen Sie daher nach und legen Sie Einspruch ein.

Sie können auch Ihren Netzbetreiber fragen, auf welcher Basis er seine Verbrauchsprognose getroffen hat. Auskünfte hierüber können Ihnen helfen darzulegen, warum Ihre Verbrauchsprognose geeigneter ist. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn Sie eine kleinere Wohnung unterhalten als die Vergleichsgruppe, häufig aus privaten oder beruflichen Gründen außer Haus sind oder wenn Sie Energiesparmaßnahmen ergriffen haben.

Grund 2: Sie haben Ihren Verbrauch reduziert, aber dieser Verbrauchsrückgang wurde nicht berücksichtigt.

Wenn der Verbrauch sinkt (z.B. ein Kind zieht aus; Sie ersetzen Ihre Glühbirnen durch LEDs), dann können Sie den zu erwartenden geringeren Verbrauch Ihrem Versorger mitteilen. „Macht der Kunde glaubhaft, dass sein Verbrauch erheblich geringer ist, so ist dies angemessen zu berücksichtigen“ (§13 Abs (1) StromGVV). Hilfreich ist, wenn Sie entsprechende Belege vorweisen können.

Grund 3: Der Versorger teilt die voraussichtlichen Stromkosten des Jahres durch 11 anstatt durch 12

Grundsätzlich darf der Stromversorger nicht verlangen, dass der Kunde in Vorleistung geht. Dies ist allerdings häufige Praxis. Kritisch wird es, wenn der Versorger auch noch 12 Abschläge kassieren möchte. Denn dann zahlen Sie einen Abschlag, der 9% zu hoch ausfällt. Hiergegen können Sie Einspruch einlegen.

Grund 4: Der Strompreis ist gestiegen.

Die Abschläge dürfen sich bei Preiserhöhungen nur im gleichen Verhältnis erhöhen, wenn der Verbrauch gleich bleibt. Eine Erhöhung der Abschlagszahlung um 10%, weil die Preiserhöhung 5% betrug, ist bei gleichbleibenden Stromverbrauch somit nicht zulässig nach §13 Abs (2) StromGVV.

Wie können Sie sich gegen zu hohe Stromabschläge wehren?

Zunächst sollten Sie den Grund für den zu hohen Abschlag herausfinden und entsprechend dagegen argumentieren (siehe Abschnitt zuvor). Bei einer glaubwürdigen Begründung stehen Ihre Chancen gut, Ihre Abschlagszahlungen wie gewünscht zu senken. Häufig reicht bereits ein kurzer Anruf bei Ihrem Versorger aus. Sicherer ist allerdings schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Versorger ist dazu verpflichtet, die höheren Abschläge zu begründen, wenn er Ihrer Forderung nicht nachgehen möchte.

Sollte sich Ihr Stromanbieter quer stellen, gibt es aus meiner Sicht eine clevere Lösung, als einen Rechtsstreit zu provozieren: Schlagen Sie Ihrem Stromanbieter vor, dass Sie ihm Ihre Zählerstände monatlich übermitteln. Auf Basis dieser monatlichen Verbrauchszahlen wird dann später die Abschlagszahlung neu festgesetzt. Diese Zahlen darf der Stromanbieter nicht ignorieren, sondern er muss darauf reagieren.

Sollte Ihr Stromanbieter überraschenderweise weiterhin die hohen Abschlagszahlungen unbegründet einfordern, würde ich Ihnen zunächst eine Beschwerde unter Reclabox empfehlen. In der Tageszeitung Welt wird auch empfohlen, dass man die Einzugsermächtigung kündigen und stattdessen einen Dauerauftrag in Höhe des eigens berechneten Abschlags einrichten solle, sofern der Stromanbieter nicht reagiert und nachweislich zu hohe Abschlagszahlungen einfordert. Diesen Schritt würde ich mir für schwere Fälle aufbewahren – ebenso wie das Einschalten der Schlichtungsstelle.

Weniger Probleme mit zu hohen Abschlagszahlungen haben Sie bei seriösen Stromanbietern. Wie Sie diese am besten finden, erfahren Sie hier:

Diese Inhalte stellen keine Rechtsberatung dar und ersetzen auch rechtliche Beratung.  Es werden lediglich Fakten und die Meinung des Autors wiedergegeben. Trotz größter Sorgfalt können inhaltliche Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. Jeder Verbraucher sollte seinen spezifischen Sachverhalt selbstkritisch prüfen.  Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt, wenn Sie eine rechtliche Beratung benötigen. Bei den genannten Verbraucherbeschwerden stützt sich der Autor auf die Seite de.reclabox.com.

Welche Erfahrungen haben Sie mit zu hohen Abschlagszahlungen gemacht? Hinterlassen Sie einen Kommentar, um anderen Betroffenen zu helfen!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*