Besonderheit beim Sonderkündigungsrecht

Wenn Ihnen ein Sonderkündigungsrecht vorliegt (etwa bei Preiserhöhungen oder Wohnungswechsel, sofern der Anbieter dies aus Kulanz in seinen AGBs gewährt), sollten Sie Ihr Recht auf außerordentliche Kündigung gegenüber Ihrem bisherigen Versorger selber vornehmen. Zwar kann Ihr neuer Anbieter dies für Sie übernehmen. Im Gegensatz zur ordentlichen Kündigung steht das Recht auf außerordentliche Kündigung i.d.R. nur Ihnen zu. Zudem müssen Sie sich beeilen, da Stromanbieter Ihren Kunden häufig nur zweiwöchige Kündigungsfristen gewähren. Wenn etwas bei der Kündigung durch Ihren neuen Versorger schief läuft (z.B. wegen fehlender Vollmachten), ist diese Frist schnell abgelaufen. Auch ich hatte Schwierigkeiten bei der Kündigung mit Hilfe des neuen Stromanbieters (siehe hier mehr zu meinen Erfahrungen). Mein neuer Versorger kannte die Vertragsdetails nicht, wodurch sich mein Vertrag mit dem bestehenden Stromanbieter um ein ganzes Jahr verlängerte.

Frühzeitig kündigen und am besten selber kündigen

Egal ob Sie ein Sonderkündigungsrecht haben oder zum Ablauf des Vertrags kündigen, es ist am besten, wenn Sie selber und nicht der neue Stromanbieter den bestehenden Vertrag kündigt. Schließlich kennen Sie die Vertragsdetails am besten. Kündigungen per E-Mail oder Fax wurden in der Vergangenheit von einigen unseriösen Stromanbietern ignoriert oder verweigert. Bei einem Sonderkündigungsrecht sollten Sie daher möglichst früh und am besten per Einschreiben/Einwurf kündigen.

Wenn Sie zum Ablauf des Vertrags kündigen, empfehle ich Ihnen möglichst früh, spätestens aber vier Wochen vor Kündigungsfrist zu kündigen. Zunächst sollten Sie versuchen per E-Mail oder Fax zu kündigen, um unnötige Kosten zu vermeiden. Seit dem 01.10.2016 muss der Stromanbieter Kündigungen per E-Mail oder Fax akzeptieren (der §309 Nr. 13 BGB wurde angepasst, sodass nun keine strengeren Anforderungen als die Schriftform zulässig sind). Wenn der Stromanbieter Ihre Kündigung ignoriert, verweigert, oder diese innerhalb von 14 Tagen nicht bestätigt, dann haben Sie noch genügend Zeit, um postalisch per Einschreiben/Einwurf zu kündigen.

Stromanbieter kündigen: Formale Anforderungen berücksichtigen

Versuchen Sie alle formalen Anforderungen zu erfüllen:

  • Richten Sie Ihr Schreiben an den Vertragspartner,
  • geben Sie Ihre Vertragsnummer und Ihren Namen an
  • benennen Sie den Kündigungszeitpunkt (bei Vertragsbeginn zum 02.01.2015 und bei einer zwölfmonatigen Vertragslaufzeit wäre es der 01.01.2016)
  • Unterschreiben Sie bei Briefen händisch.

Vorlage:

Anschrift Ihres Versorgers

Kundennummer: [Ihre Nummer]
Zählernummer: [Ihre Zählernummer]

Kündigung meines Stromvertrags

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich meinen oben genannten Stromvertrag fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.
Bitte senden Sie mir eine schriftliche Kündigungsbestätigung innerhalb von 14 Tagen zu. Nennen Sie mir bitte auch das Vertragsende.

Mit freundlichen Grüße
[Ihr Name]

In Foren wird häufig erwähnt, dass unseriöse Stromanbieter bestreiten, die Kündigung erhalten zu haben. Sie als Kunde sind in der Pflicht nachzuweisen, dass das Unternehmen die Kündigung erhalten hat. Aufgrund zahlreicher Erfahrungen von Verbrauchern mit unseriösen Stromanbietern empfehle ich Ihnen Ihre Kündigung postalisch per Einschreiben/Einwurf zu versenden und zu unterschreiben, wenn der Stromanbieter Ihre Kündigung per E-Mail nicht bestätigt. Die Kosten betragen ca. 5 €. Der Vorteil gegenüber einer Kündigung per Einschreiben/Rückschein ist, dass der Stromanbieter bei einer Kündigung per Einschreiben/Rückschein den Empfang der Kündigung um ein paar Tage verzögern kann. Dies kann insbesondere bei zeitkritischen Kündigungen dazu führen, dass die Kündigungsfrist doch nicht eingehalten wird. Daher empfehle ich, bei zeitkritischen Kündigungen die Kündigung per Einschreiben/Einwurf zu versenden, um nachweisen zu können, wann der Brief beim Stromanbieter eingeworfen wurde. Nun könnte der Empfänger behaupten, dass in Ihrem Schreiben alles andere außer der Kündigung nicht enthalten war. Um auch nachweisen zu können, dass Ihr Schreiben die Kündigung enthalten hat, wäre eine Gerichtsvollzieherzustellung notwendig. In den Verbraucherforen ist mir nicht zu Ohren gekommen, dass Unternehmen diese Behauptung aufstellen würden. Ein Fall ist mir allerdings gekannt, wobei das Amtsgericht Bad Kreuznach (AZ: 21 C 98/14) dem betroffenen Verbraucher geglaubt hat, Kündigung auch im Original unterschrieben zu haben. Die teurere Variante der Gerichtsvollzieherzustellung (Kosten ca. 13 €) ist meiner Meinung nach daher in den meisten Fällen nicht notwendig.

Nur unseriöse Stromanbieter bereiten ihren Kunden Probleme bei der Kündigung des Stromvertrags. In der Vergangenheit haben sich Verbraucher insbesondere über die Stromanbieter 365 AG (immergrün), BEV, ExtraEnergie, Fuxx Sparenergie (Grüner Funke), Primastrom, Stromio und Voxenergie beschwert. In diesen Fällen rate ich zu besonderer Vorsicht und empfehle zukünftig seriösere Stromanbieter zu wählen. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier:

Haftungsausschluss: Trotz aller Sorgfalt kann dieser Text und Inhalte auf der Internetseite Fehler enthalten. Es handelt sich ferner nicht um eine Beratungsleistung, sondern um die Meinung des Autors. Jeder Verbraucher sollte seinen spezifischen Sachverhalt selbstkritisch prüfen. Bei den genannten Verbraucherbeschwerden stützt sich der Autor auf die Seite de.reclabox.com.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Kündigung Ihres Stromvertrags gemacht? Hinterlassen Sie einen Kommentar, um anderen Betroffenen zu helfen!

4 Gedanken zu „Richtig kündigen

  • 29. April 2018 um 04:38
    Permalink

    Hallo Herr Dr. Moeschler,

    mein 2ter Beitrag bereits, lediglich mit dem Hinweis zu Ihren Ausführungen zum Sonderkündigungsrecht:
    In den AGB´s von z.B. immergrün! (Ableger von 365 AG) wird ein Sonderkündigungsrecht durch Wohnungswechsel ausgeschlossen. Ich bin kein Jurist. Las allerdings an glaubwürdiger Stelle im Netz, dass Wohnungswechsel für ein Sonderkündigungsrecht wohl nur beim Grundversorger generell rechtlich durchsetzbar ist.
    Das hierzu, weil sie in Klammern 2 Beispiele erwähnen, die ein Sonderkündigungsrecht darstellen würden. Darunter der Wohnungswechsel.

    mit freundlichem Gruß, Thomas M.

    Antworten
    • 30. April 2018 um 14:50
      Permalink

      Da haben Sie Recht!
      Ich habe den Text ein wenig ergänzt, um klarzustellen, dass ein Sonderkündigungsrecht nicht immer zwangsläufig gegeben ist.
      Vielen Dank!

      Antworten
  • 21. März 2018 um 11:36
    Permalink

    Ich habe am 23.11.2017 per Einschreiben/Einwurf den Stromvertrag bei immergrün AG fristgerecht zum 31.01. 2018 (12 Monate Vertragslaufzeit/ Kündigungsfrist 6 Wochen) gekündigt.
    Immergrün ignorierte die Kündigung und setzte den Vertrag einfach fort. Den von uns neu gewählten Anbieter wurde mitgeteilt, dass wir erst zum 1.02.2019 wechseln können.
    Nach unzähligen e-mails und Telefonaten wurde mir heute am Telefon von immergrün gesagt, dass wir zum 3.04.2018 bei ihnen gekündigt sind. Bis aktuell warte ich auf die Kündigungsbestätigung per e-mail, die ich benötige um zum neuen Anbieter zu wechseln. Laut Telefonauskunft soll diese mir schon gestern zugegangen sein. Langsam bin ich am verzweifeln.

    Antworten
    • 21. März 2018 um 13:20
      Permalink

      Es ist sehr gut, dass Sie per Einschreiben/Einwurf gekündigt haben. So können Sie nachweisen, dass Sie tatsächlich gekündigt haben.
      An Ihrer Stelle würde ich eine 7-tägige Frist zur Bestätigung der Kündigung setzen. Es besteht jedoch auch dann die Gefahr, dass Sie die Kündigungsbestätigung zu spät erhalten und deshalb unfreiwillig in den Grundtarif rutschen.

      Ich gehe nicht davon aus, dass eine Beschwerde auf Reclabox, das Einschalten der Schlichtungsstelle oder weitere Telefonate den Prozess bei immergrün beschleunigen werden. Tut mir leid, dass ich Ihnen keinen echten Tipp geben kann.

      Antworten

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