Nichterfüllungsschaden bei Grüner Funke (Fuxx Sparenergie) und immergrün

Seit 2016 beschweren sich Verbraucher auf de.reclabox.com vermehrt über sogenannte Nichterfüllungsschäden, die einige Strom- und Gas-Versorger (z.B. FUXX Die Sparenergie, Grüner Funke, Wunderwerk AG, 365 AG und immergrün) nachträglich von ihnen fordern.

Hintergrundinformationen

Anhand der Beschwerden auf de.reclabox.com lief anscheinend in den meisten Fällen der Sachverhalt folgendermaßen ab:

  • Der Verbraucher informierte den Versorger, dass er umzieht und daher vom Vertrag zurücktreten möchte.
  • Der Strom- und Gasanbieter (sofern es sich nicht um den Grundversorger handelt), muss dem Kunden kein Sonderkündigungsrecht einräumen. Der Kunde hat nämlich nur ein Sonderkündigungsrecht bei Umzug, wenn (1) der Versorger ihm dies freiwillig zugesteht, (2) der Versorger den Kunden am neuen Wohnort nicht versorgen kann oder (3) wenn beim Umzug die Preise steigen.
  • Der Versorger setzt die Kündigung um.
  • Im Anschluss daran teilt der Versorger mit, dass der Vertrag hätte länger laufen müssen, weil keines der drei Voraussetzungen für ein Sonderkündigungsrecht zutrifft. Deshalb wird eine Kompensation aufgrund der Nichterfüllung des Vertrags vorlag.

Argumente, mit denen Sie sich wehren können

Natürlich sind die Verbraucher überrascht. Denn wenn kein Sonderkündigungsrecht vorgelegen hat, warum hat der Versorger dann die Kündigung angenommen und warum wurde man denn nicht auf einen möglichen Schaden hingewiesen?

Genau das sind die Argumente, mit denen Sie sich wehren können!

  • Wenn der Stromanbieter die Kündigung umsetzt, so hat er diese auch gewährt. Insofern ist von Seiten des Verbrauchers davon auszugehen, dass der Stromanbieter aus Kulanz der Kündigung zugestimmt hat. Schließlich kann der Stromanbieter aus Kulanz einer Sonderkündigung zustimmen.
  • Selbst wenn der Verbraucher nicht von einer Kulanz von Seiten des Versorgers ausgehen durfte, so hat der Versorger die Pflicht, den Schaden abzuwenden oder zu mindern (BGB §254 (2))
  • Zudem kann argumentiert werden, dass der Stromanbieter den Verbraucher über den möglichen Schaden hätte informieren müssen. Denn sonst trägt der Versorger eine Mitschuld daran (BGB §254 (2)). Im EnWG §41 (1) steht, dass die Verträge u.a. „Haftungs- und Entschädigungsregelungen bei Nichteinhaltung vertraglich vereinbarter Leistungen“ beinhalten müssen. Nach meinem Kenntnisstand sind diese Hinweise weder in den aktuellen AGBs noch auf der Internetseite der Stromanbieter FUXX Die Sparenergie (Grüner Funke) und 365 AG (immergrün) zu finden.

Andererseits kann auch argumentiert werden, dass der Verbraucher einen Fehler begangen hat. Schließlich hat er unzulässiger Weise den Vertrag gekündigt. Grundsätzlich gilt, dass an geschlossenen Verträge festzuhalten ist. Anpassungen oder Ergänzungen des bestehenden Vertrags sind möglich, wenn diese einvernehmlich erfolgen. Diese Änderungen sind jedoch schriftlich vorzunehmen, damit der Verbraucher die einvernehmliche Änderung nachweisen kann. Mündliche Aussagen reichen nicht.

Weil mir noch keine Gerichtsurteile hierzu bekannt sind, kann ich nur schwer abschätzen, wie deutsche Gerichte in diesem Fall entscheiden würden. Letztendlich kommt es auch auf den Einzelfall an. Wenn z.B. der Verbraucher gegenüber seinem Stromanbieter fälschlicherweise argumentiert, dass er aufgrund des Umzugs ein Sonderkündigungsrecht habe, wirkt die Mitschuld des Versorgers größer. Mit der folgenden Vorgehensweise haben Sie gute Chancen, eine deutliche Reduzierung oder gar eine Rücknahme des Nichterfüllungsschadens zu bewirken.

Nichterfüllungsschaden Strom: Empfehlung zum weiteren Vorgehen

In einer ersten E-Mail empfehle ich Ihnen, mit Hilfe der oben aufgeführten Argumente den Nichterfüllungsschaden abzulehnen. Zudem sollten Sie nach einer Begründung für die Höhe des Schadens fragen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus meiner Sicht ist Ihre Forderung nach einem Nichterfüllungsschaden unzulässig. Dies möchte ich nachfolgend begründen:

  • Sie haben meinen Wunsch auf vorzeitige Kündigung zugestimmt. Daher musste ich davon ausgehen, dass Sie aus Kulanz gehandelt haben. Andernfalls hätten Sie die Möglichkeit gehabt, die vorzeitige Kündigung abzulehnen.
  • Aus §254 BGB ergibt sich die Pflicht, dass Sie Schäden abzuwenden oder zu mindern haben. Dieser Pflicht sind Sie nicht nachgekommen. Sie hätten sowohl die vorzeitige Kündigung ablehnen als auch mich über den möglichen Schaden informieren müssen. Beides haben Sie nicht getan. Daher sind Sie nicht Ihrer Pflicht nach §254 BGB nachgekommen. Gemäß EnWG §41 (1) müssen Stromverträge „Haftungs- und Entschädigungsregelungen bei Nichteinhaltung vertraglich vereinbarter Leistungen“ enthalten. Ich gehe davon aus, dass in meinem Vertrag keine Regelungen dieser Art getroffen wurden. Wenn dies zutrifft, haben Sie gegen EnWG §41 verstoßen.
  • Aus diesen Gründen musste ich davon ausgehen, dass Sie aus Kulanz einer vorzeitigen Kündigung zugestimmt haben.
  • OLG Köln (6 U 132/16) hat auf Seite 19 des Urteils Zweifel hinsichtlich eines Verstoßes gegen § 308 Nr. 7a BGB geäußert. In diesem Paragraphen steht, dass in Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Bestimmung, nach der der Verwender für den Fall, dass „eine Vertragspartei vom Vertrag zurücktritt oder den Vertrag kündigt, eine unangemessen hohe Vergütung für die Nutzung oder den Gebrauch einer Sache oder eines Rechts oder für erbrachte Leistungen oder einen unangemessen hohen Ersatz von Aufwendungen verlangen kann“ unwirksam ist. Aufgrund der Höhe Ihrer Forderung und weil keine Berechnungsgrundlage mir vorliegt, teile ich diese Zweifel.

Falls Sie nach wie vor auf den Nichterfüllungsschaden einfordern möchten, bitte ich Sie

  1. auf meine Argumentation einzugehen und
  2. die Berechnungsgrundlage für Höhe des Nichterfüllungsschadens mir zukommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Es ist davon auszugehen, dass der Versorger Ihren inhaltlichen Argumenten nichts Nennenswertes entgegen setzen wird. Womöglich wird das Unternehmen nur mit einem Gerichtsurteil seinen Anspruch argumentieren. Immergrün (eine Tochter der 365 AG) hat zuvor z.B. ein Urteil vom AG Berlin-Tempelhof (Az.: 23 c 120/14) angeführt. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine außerordentliche Kündigung des Stromvertrags aufgrund eines Umzugs. Es handelt sich stattdessen um eine außerordentliche Kündigung von Seiten eines Telefonanbieters aufgrund ausbleibender Zahlungen des Kunden. Auch wenn andere Urteile genannt werden, ist davon auszugehen, dass diese nicht zu ihrem Sachverhalt passen werden.

Schreiben Sie eine Beschwerde auf de.reclabox.com

Ich empfehle Ihnen auch eine Beschwerde auf de.reclabox.com einzustellen, wenn der Stromanbieter immer noch nicht nachgibt. Der Arbeitsaufwand dürfte für Sie gering ausfallen, da Sie die Argumente aus Ihrer E-Mail wiederholen können. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass eine Beschwerde auf dieser Seite zur Lösung Ihres Problems beitragen kann.

Falls der Versorger auch nach dieser Beschwerde nicht einlenkt, empfehle ich Ihnen noch mal kritisch zu überprüfen, ob Ihr Sachverhalt von dem von mir geschilderten Sachverhalt abweicht. Liegen Argumente gegen Sie vor, die hier nicht betrachtet wurden? Falls dies nicht der Fall ist, empfehle ich Ihnen die Schlichtungsstelle einzuschalten.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, ein (anteiligen) Nichterfüllungsschaden zu bezahlen, dann würde ich “unter Vorbehalt und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht” zahlen, um ggf. später bei für Kunden positiver Rechtsprechung einen Rückforderungsanspruch innerhalb der Verjährungsfrist noch geltend machen zu können.

Ich unterstütze Sie!

Wenn Sie Fragen zu Ihrem Fall haben, biete ich Ihnen meine kostenlose Unterstützung per E-Mail an mrmoeschler(at)gmail.com an. Diesen kostenlosen Service finanziere ich, indem ich auf dieser Seite die Tarifrechner von Verivox und Check24 eingebunden habe. Ich erhalte von den Vergleichsportalen eine kleine Provision, die keinerlei Auswirkungen auf Ihren Vertrag haben. Sie können somit auf Kosten der Vergleichsportale mein Projekt kostenlos unterstützen. Zudem bietet diese Seite einen echten Mehrwert für Sie. Ich warne nämlich dort vor unseriösen Anbietern und empfehle Anbieter, bei denen Ihnen diese Probleme erspart geblieben wären.

 

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, um anderen Betroffenen zu helfen!

Haftungsausschluss: Trotz aller Sorgfalt kann dieser Text und Inhalte auf der Internetseite Fehler enthalten. Es handelt sich ferner nicht um eine Beratungsleistung, sondern um die Meinung des Autors. Jeder Verbraucher sollte seinen spezifischen Sachverhalt selbstkritisch prüfen. Bei den genannten Verbraucherbeschwerden stützt sich der Autor auf die Seite de.reclabox.com. Es wurde nicht überprüft, ob die Beschwerden berechtigt sind.

Nichterfüllungsschaden bei Grüner Funke, immergrün und Wunderwerk AG

7 Gedanken zu „Nichterfüllungsschaden bei Grüner Funke, immergrün und Wunderwerk AG

  • 10. Mai 2019 um 23:16
    Permalink

    Erst einmal schön zu lesen das es nicht nur mir so geht….
    Mitte Januar 19 wurde mein Preis angepasst, 0,03 Euro weniger… daraus ergab sich, dass mein sepalastschriftmandat nicht mehr gültig war, was mir aber keiner sagte. Die Folge war nun eine außerordentliche Kündigung von fuxx.
    Die Guthaben auszahlung erfolgte nachdem ich 4!!! Wochen E-Mail Verkehr hatte. Kurz darauf kam auch die Abschlussrechnung mit 252 Euro Nichterfüllungsschaden!

    Ich wollte eine Berechnungsgrundlage, als Antwort bekam ich das ich den Vertrag gekündigt habe und das ja auf den Gewinn abzielt.

    Man machte ein Vergleichsangebot in dem man mir 200 Euro erlassen möchte.

    Ich bin eigentlich nicht gewillt diesen Betrag zu zahlen. Das was ich verbraucht habe zahle ich.

    Nun haben wir heute das Angebot (vorerst) angenommen. Falls jemand einen ähnlichen Fall hat/hatte bin ich sehr interessiert an der Rechtssprechung. Ich muss ja davon ausgehen das die vorgelegten Zahlen aus der Luft gegriffen sind.
    Auch bekomme ich keine Antworten mehr auf meine E-Mails an fuxx ( im cc immer die Bundesnetzagentur).
    Über Hilfe und Erfahrungen freue ich mich sehr.

    Antworten
  • 17. April 2019 um 22:29
    Permalink

    Guten Tag zusammen,
    ich habe aufgrund des Auszugs auch eine Rechnung mit Vorfälligkeitsentschädigung erhalten und zuerst die oben genannten Argumente aufgeführt.

    Ich wurde nur mit dem Hinweis auf den positiven Gewinn hin abgegolten. Auf das Argument, dass sie mich auf den Schaden hätten hinweisen müssen, sind sie gar nicht eingegangen.

    Da mein Vertrag eh nur noch 6 Wochen bis zum Ablauf der 12 Monate gebraucht hätte und es sich um einen Neuvertrag mit 25% Rabatt auf die Gesamtrechnung, hätte der Rabat auf über das 4 fache der Entschädigung angehäuft. Daher kann ich der Argumentation nicht folgen und warte auf die Antwort.
    Als 2. Punkt möchte ich auch noch ein Argument anbringen. Da selbst nach 8 Wochen Lieferende noch immer nicht das Guthaben (unter Angabe unkonkreter Zeitangaben „bald“) zurück erstattet wurde. Hiermit entgehen zum einen Zinsen und zum 2. viel wichtiger ist das Kapital einem absolut unnötigen Risiko ausgesetzt, denn wenn die Firma insolvent geht, ist es sehr wahrscheinlich weg!

    MfG

    Antworten
  • 26. März 2019 um 22:20
    Permalink

    Auch bei immergrün, NES in Höhe von 257 Euro.
    Zwei Jahre bei der Firma gesessen. Dann Tarif gewechselt und schön weiter gezahlt. Nach zwei Monaten kommt Zahlungserinerung und sofort von Inkasso und Kündigung. Dahin angerufen und die sagen sie haben mit neuen Tarif auch neu Kundenummer bekommen. Ok, aber Beiträge sind doch gezahlt. Ja aber auf den alten Kundenummer (Kontonummer ist gleiche). Also nach hin und her schreiben. Die Beträge haben die anerkannt. Seit 7.01. bei dem anderen Anbiter. Heute kommt wieder Zahlungerinerung über 200 Euro. Obwohl ich garnichts bekommen habe, kein Rechnung oder so. Rufe dort an, die sagen ich habe von 1.11.18-7.01.19 Strom für ca.437 verbraucht. Was nicht stimmen kann. Habe gebeten das die mir Rechnung noch mal schicken. Die habe ich per E-Mail jetzt bekommen. Und da drine steht eben die Summe von 437 minus 209 die ich schon als Beträge bezahlt habe. Und ganz unten klein eben diese NEB den Rest von 437 Euro, also 228 Euro.
    Ich werde auf jeden Fall jetzt Wiederspruch einlegen und weiter mal sehen. Vielleicht auch Anwalt einschalten.

    Antworten
  • 12. Oktober 2018 um 11:24
    Permalink

    gleiches Problem habe ich auch gerade.
    Bekam vom Vermieter wegen Eigenbedarf gekündigt. Beim umzug mich auch um strom gekümmert. Immergrün wollte auch schön die Preise anheben, also einen Preisvergleich gemacht und mich dann bei einem anderen Anbieter Angemeldet.
    Nun eine Nichterfüllungsstrafe aufgebrummt bekommen.

    Schön das man nicht Informiert wird das die das dann machen wollen sondern einfach sofort abkassiert. Ohne rücksprache ohne Informiert zu werden.

    Antworten
  • Pingback:Immergrün|365 AG: Ärger mit Preiserhöhung, Rechnung & Guthaben

  • 10. Mai 2018 um 11:49
    Permalink

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    auch ich musste einen Nichterfüllungsschaden begleichen. Zwar habe ich mich zunächst dagegen gewehrt und der Anspruch wurde auch auf die Hälfte reduziert, aber letztendlich hatte ich nach § 314 Abs. 4 BGB keine Chance.
    Ich nehme Bezug auf das BGH Urteil vom 11.11.2010 – III ZR 57/10. Dieses Urteil bezieht sich zwar auf die vorzeitige Kündigung eines DSL-Vertrags wegen eines Umzugs ist aber analog auch auf den in Rede stehenden Fall anzuwenden. Die Begrüdung des BGH ist sehr wohl eindeutig.
    Insoweit halte ich Rechtsmittel für aussichtslos.

    Antworten
    • 4. September 2018 um 10:02
      Permalink

      Der Nichterfüllungsschaden IST Gerechtfertigt. Nur die Höhe für gewöhnlich nicht. Und das ist die ganze Masche. Sie beschweren sich, und ich schicke Ihnen ein paar Gerichtsurteile die dies bestätigen.

      Die Frage nach der Höhe kommt nie auf…nur nach dem OB. Perfide, nicht?

      Faustregel: Wenn sie nicht grade 6 Monate nicht bezahlt haben und dann aufgrund dessen gekündigt worden sind (=absoluter Härtefall), maximal 50€ NES bei einem Laufzeit von 12 Monaten.

      Antworten

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