So vermeiden Sie Zusatzkosten beim Umzug Ihres Stromanbieters:

I. So früh wie möglich sollten Sie den Umzug Ihrem Stromanbieter melden und am Tag des Umzugs sollten Sie Ihren Zählerstand ablesen.

II. + III. Prüfen Sie, ob Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zusteht.

IV. Wenn Sie ein Sonderkündigungsrecht haben, dann sollten Sie Ihren Anbieter möglichst früh kündigen und zu einem seriösen Strom- und Gasanbieter wechseln.

V. Es drohen Zusatzkosten, wenn Sei Ihren Meldepflichten (I.) nicht nachkommen oder wenn Sie Kunde eines unseriösen Anbieters sind.

Auf dieser Seite habe ich Ihnen wertvolle Links, Vorlagen, Tipps sowie Hinweise zu allen weiteren Fragen (VI.) zusammengestellt, damit Sie Zusatzkosten vermeiden und möglichst schnell Ihren Umzug abwickeln können.

Umzug Strom

Es werden Fakten und die Meinung des Autors wiedergegeben. Es wird jedoch keine Haftung übernommen und keine Rechtsberatung geleistet, weil rechtliche Sachverhalte lediglich allgemein dargestellt werden (RDG §2 III, Satz 5) ⇒ weiterführende Hinweise.

 

Inhaltsverzeichnis:

I. Umzug Stromanbieter: ToDos für jeden Kunden
II. ToDos für Sonderkunden
III. ToDos für Grundversorger-Kunden
IV. Richtig kündigen & zu einem seriösen Anbieter wechseln
V. Drohende Zusatzkosten
VI. FAQs und Sonderfälle

 

I. Umzug Stromanbieter: ToDos für jeden Kunden

a) Umzug anmelden 

Wenn Sie umziehen, sollten Sie dies Ihren Strom- und Gasanbieter frühzeitig mitteilen, um Zusatzkosten zu vermeiden. Ihre Meldefrist finden Sie in Ihren AGBs. Suchen Sie nach dem Schlagwort „Umzug“.

In den meisten AGBs ist regelt, dass Sie mindestens vier Wochen vor dem Umzug den Stromanbieter darüber informieren. Der Grund liegt darin, dass die meisten Stromanbieter Sie gerne als Kunden behalten möchten. Sie sind verpflichtet Ihre neue Zählernummer, den voraussichtlichen Aus- und Einzugstermin sowie die neue Anschrift mitzuteilen.

Am 30.03.2020 sahen folgende Anbieter eine 2 bzw. 3-wöchige Kündigungsfrist vor:

2-wöchige Frist RWE, yello
1-Monats-Frist eprimo, Eon, immergrün (365 AG), Stromio, Vattenfall
  • Wenn Sie beim Anbieter bleiben wollen

Sie können Kunde des Anbieters bleiben, wenn er Sie am neuen Wohnort ebenfalls mit Energie beliefern kann. Melden können Sie den Umzug entweder per E-Mail, Fax, postalisch per Einschreiben/Einwurf oder über das Kundenportal (sofern vorhanden). Ich habe bisher immer über das Kundenportal meinen Umzug mitgeteilt und sehr schnell eine Bestätigung erhalten. Bei eprimo finden Sie den Umzugsservice z.B. unter „Services“.

Rechtssicher ist dieser Weg jedoch nicht. Die Meldung können Sie vor Gericht nur nachweisen, wenn Sie diese postalisch per Einschreiben/Einwurf tätigen. Da dies mit Mehrkosten verbunden ist, länger dauert und in den meisten Fällen nicht notwendig ist, habe ich bisher davon abgesehen.

  • Wenn Sie Ihren Anbieter kündigen wollen

Wenn Sie Ihren Anbieter kündigen wollen, dann können Sie die Umzugsmeldung zusammen mit der Kündigung versenden. Dies geht häufig auch über das Kundenportal. Einfacher und schneller dürfte es jedoch sein, wenn Sie den Hinweisen aus Kapitel IV folgen.

b) Zählerstand ablesen

Am Tag des Umzugs sollten Sie unbedingt Ihren Strom- und Gaszähler ablesen. Senden Sie den Zählerstand zusammen mit der Zählernummer direkt an Ihren Netzbetreiber und Ihren Strom- und Gasanbieter. Ihr Versorger benötigt diese Informationen, um korrekt abrechnen zu können. Am besten Sie machen ein Foto, um mögliche Beanstandungen im nachhinein belegen zu können.

Stellen Sie sicher, dass Sie die korrekte Zählernummer und den korrekten Zählerstand notieren. Wenn Ihnen ein Fehler passiert, wird es aufgrund Ihres Umzugs schwierig sein, diesen zu korrigieren! Wenn Sie sich unsicher sind, dann schauen Sie sich Ihre letzte Abrechnung an. Dort ist die Zählernummer und der letzte Zählerstand notiert. Prüfen Sie den aktuellen Zählerstand auf Plausibilität. Weiterführende Hinweise zum Ablesen finden Sie hier.

c) Stromrechnung kontrollieren

Spätestens 6 Wochen nach Ihrem Umzug erhalten Sie Ihre Schlussrechnung. Kontrollieren Sie diese. Da das Nachrechnen nicht ganz trivial ist, habe ich ein hilfreiches Tool für Sie erstellt, dass Ihnen Arbeit abnehmen wird.

Je nachdem, ob Sie ein Sonderkunde (II.) sind oder noch nicht Ihren Stromanbieter gewechselt haben und damit in der Grundversorgung sind (III.), fallen bei Ihnen weitere ToDos an.

II. ToDos für Sonderkunden

Sie haben Ihren Grundversorger zuvor bereits gekündigt und sind zu einem anderen Anbieter gewechselt.

Wenn a) Sie zu jemand anderes einziehen oder b) wenn Ihnen der Anbieter ein Sonderkündigungsrecht einräumt, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. In diesem Fall sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihrem Anbieter korrekt kündigen. Beim Umzug gibt es nämlich Besonderheiten zu beachten. Nach der Kündigung sollten Sie darauf achten, dass Sie zu einem seriösen Anbieter wechseln. Es gibt leider zu viele schwarze Schafe in der Branche, die z.B. Boni verweigern, Preise versteckt und drastisch erhöhen, Guthaben nicht auszahlen oder gar Pleite gehen. Beachten Sie zudem, dass Ihr Neukundenbonus verweigert werden könnte, sofern der Vertrag weniger als 12 Monate läuft.

a) Sie ziehen zu jemand anderes ein

Wenn Sie in die Wohnung einer anderen Person (z.B. Ihren Partner) einziehen, auf die bereits ein Liefervertrag läuft, dann haben Sie ein Kündigungsrecht. Schließlich kann je Anschluss ja nur ein Stromvertrag bestehen. Einige unseriöse Anbieter fordern dennoch vom Verbraucher, weiterzuzahlen. In diesem Fall empfehle ich Ihnen anhand des §313 BGB zu argumentieren, dass die Geschäftsgrundlage weggefallen ist und damit die Unzumutbarkeit der Fortführung des Vertragsverhältnisses ein Kündigungsrecht darstellt. Teilen Sie ihm ferner mit, dass nach deutschem Recht nur einen Energievertrag pro Belieferungsstelle möglich ist. Daher muss er Ihre Kündigung anerkennen.

b) Ihr Stromanbieter gesteht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu

Ein Sonderkündigungsrecht für Ihren Strom-Vertrag bei Umzug hätten Sie nur, wenn Sie noch im Rahmen der Grundversorgung beliefert werden. Als Sonderkunde haben Sie jedoch grundsätzlich kein Sonderkündigungsrecht bei Umzug. Ein Sonderkündigungsrecht steht Ihnen nur dann zu, wenn eines der drei folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Stromanbieter kann Sie nicht versorgen: Sie haben ein Sonderkündigungsrecht bei Umzug, wenn der bestehende Stromanbieter Sie nicht in der neuen Wohnung mit Strom beliefern kann. 
  • Umzug führt zu Preiserhöhung: Wenn der Verbraucher nach dem Umzug höhere Preise bezahlen muss, weil z.B. der Versorger für unterschiedliche Regionen unterschiedliche Preise berechnet, liegt de facto eine Preiserhöhung vor. Für eine Preiserhöhung steht dem Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht zu.
  • Stromanbieter gewährt freiwillig ein Sonderkündigungsrecht: Der Stromanbieter kann selbst wählen, ob er dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zugesteht. Dies ist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geregelt. In vielen Fällen haben die Versorger Ihren Kunden kein Sonderkündigungsrecht bei Umzug in den AGBs eingeräumt. Um dies herauszufinden, müssen Sie sich die für Sie gültigen AGBs anschauen. Suchen Sie hierzu nach der Überschrift „Umzug“. Die meisten AGBs ähneln sich inhaltlich und sprachlich sehr. Nachfolgend sind die AGBs von Eon abgebildet:

AGB Eon Umzug

Gemäß den AGBs vom 30.03.2020 sahen folgende Anbieter ein bzw. kein Sonderkündigungsrecht vor:

Sonderkündigungsrecht: ja! innogy, RWE
Sonderkündigungsrecht: nein! eprimo, Eon, immergrün (365 AG), Stromio, Vattenfall, yello

Wenn Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zusteht, dann sollten Sie dies nutzen und die Hinweise zur Kündigung und zum Anbieterwechsel (IV) lesen. Wenn Ihnen kein Sonderkündigungsrecht zusteht, bleiben Sie Kunde. Sie können jedoch planmäßig zum Vertragsende kündigen. Beachten Sie auch in diesem Fall die zuvor erwähnten Hinweise.

III. ToDos für Grundversorger-Kunden

Sie sind Kunde bei Ihren Grundversorger und sind nicht zu einem anderen Anbieter gewechselt. In diesem Fall haben Sie grundsätzlich ein Kündigungsrecht von zwei Wochen, das auch im Falle eines Umzugs wirksam ist.

Da der Tarif des Grundversorgers ca. 20% teurer ist, sollten Sie Ihren Anbieter wechseln. Viele Grundversorger-Kunden sind verunsichert, weil es einige Schwarze Schafe gibt, die z.B. den Neukundenbonus verweigern, Preise versteckt erhöhen, Guthaben nicht auszahlen oder sogar Pleite gehen. Zum Glück gibt es nur wenige Anbieter, die Probleme bereiten. Mit meinen folgenden Hinweisen in Kapitel IV. können Sie ganz bequem Ihren Anbieter kündigen und Sie werden zu einem seriösen Anbieter wechseln. Es kostet Sie nur 10 Minuten. Dieser Aufwand lohnt sich!

Wenn Sie nicht kündigen möchten, werden Sie im Tarif des neuen Grundversorgers automatisch mit Strom und Gas versorgt.

IV. Richtig kündigen & zu einem seriösen Anbieter wechseln

a) Strom kündigen bei Umzug

Sie sollten den Vertrag möglichst schnell selber kündigen und nicht Ihren neuen Stromanbieter damit beauftragen. Zum einen dürfen nur Sie Ihre Sonderkündigungsrechte aussprechen. Die Kündigung durch den neuen Anbieter ist dann nicht wirksam. Zum anderen ist oft Eile geboten. Häufig benötigt Ihr neuer Anbieter einige Wochen, bis er Ihren neuen Vertrag bearbeitet hat und die Kündigung rausschickt. Durch den Zeitverzug können Zusatzkosten entstehen und die gesamte Kündigung ist gefährdet.

Kündigen Sie per E-Mail und nutzen Sie das Kundenportal Ihres Anbieters (sofern vorhanden). Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, dann können Sie zusätzlich per Einschreiben/Einwurf kündigen, um den Erhalt der Kündigung nachweisen zu können. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn Sie Kunde eines unseriösen Anbieters sind.

Stellen Sie sicher, dass Sie in der folgenden Vorlage die richtige Zählernummer Ihrer alten Wohnung angeben. Ihre Kunden- und Zählernummer finden Sie auf Ihrer letzten Abrechnung oder im Vertrag. Wenn Sie fälschlicherweise z.B. die Zählernummer Ihres Nachbarn angeben, dann schließen Sie einen Vertrag für die Nachbarwohnung und für Ihre Wohnung kommt zusätzlich ein Vertrag für die Grundversorgung zustande. Sie haben dann zwei Verträge, die zu Mehrkosten führen.

Kündigung des Stromvertrags wegen Umzug: Vorlage

[Bei postalischer Kündigung: Anschrift des Anbieters sowie Datum ergänzen]

Kündigung des Stromvertrags wegen Umzug

Meine Kundennummer:
Meine Zählernummer:
Umzug am:
Jetzige Anschrift:
Zukünftige Anschrift:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund meines Umzugs kündige ich den bestehenden Stromvertrag. Mir steht ein Kündigungsrecht zu, weil
[bitte Kündigungsgrund auswählen]
– ich in den Haushalt meines Partners einziehe und dort bereits ein Stromvertrag besteht.
– Sie mich am neuen Wohnort nicht mit Energie beliefern können.
– Sie eine Preiserhöhung im Rahmen des Umzugs vorgenommen haben.
– gemäß Ihrer AGBs ein Recht auf Sonderkündigung besteht.
– ich Kunde in der Grundversorgung bin und mir ein 2-wöchiges Sonderkündigungsrecht zusteht.

Ich bitte um eine schriftliche Bestätigung meiner Kündigung.
Mit freundlichen Grüßen,
[Ihr Name] [Bei postalischer Kündigung: händische Unterschrift]

 

Sollte der Stromanbieter Ihre Kündigung nicht annehmen oder ignorieren, finden Sie hier weiterführende Hinweise.

b) Wechseln Sie zu einem seriösen Anbieter

Viele Verbraucher achten bei der Wahl des Anbieters nur auf den Preis. Dies ist ein großer Fehler, weil es einige schwarze Scharfe gibt, die den Verbrauchern große Probleme bereiten: versteckte Preiserhöhungen um 30% und mehr, fehlerhafte Abrechnungen, keine Guthabenauszahlung, Bonusverweigerungen etc.

Stromanbieter Umzug Strom

Vor diesem Hintergrund sollten Sie stets zu seriösen Anbietern wechseln. Ich beobachte den Energiemarkt sehr genau und erstelle regelmäßig Studien zu Verbraucherbeschwerden und AGBs. Mit meiner Hilfe ersparen Sie sich diesen Ärger und wechseln nur zu Anbietern, die seriös sind, über einen guten Service verfügen und bei denen eine Insolvenz praktisch unmöglich ist. Diese seriösen Anbieter sind in der Regel nicht teurer als die Schwarzen Scharfe der Branche. Meiden Sie die unseriösen Anbieter und wechseln Sie nur zu seriösen Anbietern!

seriöse Stromanbieter

V. Drohende Zusatzkosten

a) Ummeldung vergessen
b) Der Trick mit dem Nichterfüllungsschaden
c) Versteckte Zusatzkosten in den AGBs

a) Ummeldung vergessen

Wenn Sie die Ummeldung vergessen oder die Fristen nicht einhalten, können Zusatzkosten anfallen. Die drohenden Zusatzkosten setzen sich aus den weiteren Betrieb der Entnahmestelle und mehr Verbrauch nach Ihrem Umzug zusammen.

  • Beim Betrieb der Entnahmestelle: Der Netzbetreiber hat eine rückwirkende Auszugsmeldung von bis zu 6 Wochen zu akzeptieren. Deshalb darf er erst nach diesen Zeitraum Gebühren Ihrem Stromversorger in Rechnung stellen, der die Kosten dann weiterleiten wird.
  • Verbrauch nach Auszug: Wenn nach Ihrem Auszug weiterhin Strom an Ihrer alten Abnahmestelle verbraucht wird, besteht die Gefahr, dass Sie hierfür aufkommen müssen. Um Ihren Schaden zu reduzieren ist es daher sinnvoll, wenn Sie (wie zuvor beschrieben) ein Foto vom Zählerstand machen.

Einige Anbieter räumen sich zudem das Recht ein, den Vertrag vorzeitig beenden zu dürfen. Dies tuen einige der unseriösen Anbieter, damit Sie Ihnen nicht den Neukundenbonus auszahlen müssen. Auf diese weise können Ihnen hohe Verluste drohen. Es besteht auch die Gefahr, dass Ihr Anbieter einen Schadensersatz einfordert. Die drohenden Zusatzkosten können Sie in den AGBs nachlesen. Dies sei beispielhaft anhand derer von immergrün dargestellt. Dieser Anbieter fordert, wenn Sie die Ummeldung vergessen, Zusatzkosten in Form einer Umzugspauschale, Schadensersatz sowie den Mehrverbrauch, wenn weiter Energie von Ihrem Anschluss entnommen wird. Ob diese Zusatzkosten zulässig sind, ist mehr als fraglich. Dies belege ich nachfolgend.

Umzug Strom - immergrün AGBs

b) Der Trick mit dem Nichterfüllungsschaden

Seit 2016 beschweren sich Verbraucher über Nichterfüllungsschäden, die einige Stromanbieter (z.B. FUXX Die Sparenergie, Grüner Funke, 365 AG und immergrün) nachträglich einfordern. In diesen Fällen nehmen einige Stromanbieter die Kündigung des Stromvertrags an. Nach der erfolgreichen Kündigung fordert der Stromanbieter eine Kompensation dafür, dass der Vertrag vorzeitig aufgelöst wurde. Betroffene Verbraucher sollten sich dagegen wehren. Wie Sie dies am besten tun, habe ich hier beschrieben. Dieser Nichterfüllungsschaden wird auch gefordert, wenn der Verbraucher seinen Informationspflichten nicht rechtzeitig oder nur unvollständig nachkommt.

Wenn der Verbraucher seinen Informationspflichten nicht vollständig nachkommt, räumen sich einige Stromdiscounter das Recht ein, den Vertrag zu beenden. Dadurch kann der Verbraucher seinen Neukundenbonus verlieren.

c) Versteckte Zusatzkosten in den AGBs

Im Oktober 2017 habe ich erstmalig in den AGBs der 365 AG (immergrün) nachgelesen, dass eine Umzugspauschale i.H.v. 60€ berechnet wird. Die Fuxx Sparnergie hat nun nachgezogen und fordert eine Umzugspauschale i.H.v. 45€ und die Wunderwerk AG, die seit Februar 2018 tätig ist, sieht ein Pausachle von 60€ vor. „Dem Kunden bleibt hierbei jedoch der Nachweis gestattet, dem Energieversorger sei ein Aufwand überhaupt nicht entstanden oder wesentlich geringer als die angesetzte Pauschale.“ (AGB immergrün, Stand: Februar 2018).

Dieser Satz ist auch nach mehrmaligen Lesen nicht klar verständlich. Anscheinend steht es dem Kunden zu nachzuweisen, dass der 365 AG geringere Kosten angefallen sind. Wie dies möglich sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. Hier erwarte ich in Zukunft einige Konflikte zwischen Verbrauchern und dem Unternehmen. Bei keinem anderen Stromanbieter habe ich von solchen Umzugspauschalen gelesen oder gehört. Ich gehe schwer davon aus, dass diese Umzugspauschale unzulässig ist und noch in absehbarer Zeit von deutschen Gerichten kassiert wird.

Es ist davon auszugehen, dass bei einem Ummelden keine hohen Kosten für die Stromanbieter anfallen. Schließlich sieht §20 GGV III vor, dass bei einem Lieferantenwechsel auch keine Kosten in Rechnung gestellt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund dürfte diese AGB für Verbraucher überraschend und daher unzulässig sein. Nach Leitbild des §20GVV ist eine zweiwöchige Meldungsfrist vorgesehen. Aus diesem Grund ist die häufig geforderte vierwöchige Frist insbesondere dann kritisch zu sehen, wenn Zusatzkosten  mit einer Verletzung der Informationspflicht begründet werden.

Probleme wie diese sind vermeidbar, wenn Sie zu einen seriösen Stromanbieter wechseln. Folgen Sie daher den Hinweisen in Kapitel IV.

VI. FAQs und Sonderfälle

Wie Umzug melden? Welche Frist?

Ihren Umzug müssen Sie häufig 4 Wochen vor Umzug, mindestens jedoch 2 Wochen vor Umzug melden. Ihre Mitteilungsfrist entnehmen Sie Ihren AGBs. Sie können Ihren Umzug per E-Mail, Fax, postalisch per Einschreiben/Einwurf oder über das Kundenportal tätigen.

Wie Stromvertrag mitnehmen?

Wenn Ihr Energieversorger Sie auch am neuen Wohnort beliefern kann, dann können Sie in den allermeisten Fällen Ihren Vertrag mitnehmen. Sie können Ihren Wunsch schriftlich mitteilen, am einfachsten dürfte es jedoch sein, wenn Sie sich in Ihr Kundenportal einloggen. Wie unter Ia) beschrieben, bieten viele Anbieter einen Umzugsservice an.

Wie Strom auf einen andere Person ummelden?

Da Ihr Vertrag personengebunden ist, übertragen viele Anbieter Ihren Vertrag nicht auf andere Personen. Insofern müssten Sie Ihren Vertrag zunächst kündigen und die andere Person kann dann den nächsten Vertrag auf sich abschließen. Fragen Sie aber vorsichtshalber bei Ihrem Stromanbieter nach, ob eine Ummeldung nicht vielleicht doch möglich ist.

Wie Strom bei Mieterwechsel ummelden?

Jeder Mieter ist selber dafür verantwortlich, seinen Stromanbieter den Ein- und Auszug mitzuteilen. Damit korrekte Abrechnungen gestellt werden können, ist es wichtig, den Zählerstand zu protokollieren. Bei Leerstand tritt die Grundversorgung automatisch ein. Die Kosten zahlt der Vermieter. Da Leerstände wenn überhaupt nur sehr kurz ausfallen, lohnt es sich häufig nicht, den Grundversorger zu kündigen und zu einem günstigeren Stromanbieter zu wechseln. Lediglich bei längeren Leerständen und wenn Energie für Renovierungsarbeiten anfallen, lohnt es sich, den Stromanbieter zu wechseln.

Vermieter dürfen nicht ihren zukünftigen Vermieter beim Versorger anmelden. Dadurch würden Sie gegen den Datenschutz verstoßen. Zudem hat jeder Mieter das Recht, seinen eigenen Stromanbieter frei auszuwählen.

Wann habe ich ein Sonderkündigungsrecht?

Sie können bei Umzug Ihren Vertrag außerplanmäßig kündigen, wenn Sie in der Grundversorgung sind (II.) oder (III.) wenn Sie a) zu einer anderen Person in eine andere Wohnung einziehen, b) wenn der Anbieter Sie am neuen Wohnort nicht versorgen kann oder c) Ihnen in den AGBs ein Sonderkündigungsrecht zugestanden wird.

Sonderfall: Überschneidung – zwei Wohnungen gleichzeitig

Wenn Sie aufgrund Ihres Umzugs z.B. über einen Monat lang über zwei Wohnungen verfügen, dann gilt Folgendes:

  • Nicht nur die Miete, sondern auch die Stromkosten fallen in zwei Wohnungen an.
  • Wenn Sie den Vertrag übernehmen wollen, teilen Sie die Überschneidung Ihrem Stromanbieter mit. Der Anbieter wird Sie dann für einen Monat an beiden Wohnungen mit Strom beliefern.
  • Wenn Sie Ihren Stromanbieter kündigen, dann teilen Sie dem Anbieter das Datum mit, an dem Sie die alte Wohnung verlassen und teilen Sie dem neuen Anbieter mit, ab wann Sie die neue Wohnung beziehen.

Sonderfall: Hauseigentümer

Wenn Sie ein Hauseigentümer sind, dann haben Sie (neben Ihrem Stromvertrag) auch einen Netzanschlussvertrag. Auch in diesem Fall gilt: Nehmen Sie möglichst früh Kontakt zu Ihrem Netzbetreiber auf. Dieser Netzanschlussvertrag muss entweder an Ihre neue Adresse verlegt werden, oder gekündigt und dann mit einem neuen Netzbetreiber geschlossen werden.

Sonderfall: Stromanschluss gesperrt

Sie können nur dann ohne Strom dastehen, wenn der Netzanschluss gesperrt wurde. Eine Stromsperre kommt zustande, wenn der Vormieter dem Stromanbieter mehr als 100€ schuldet und trotz mehrfacher Mahnung seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt. Wenn dann auch noch der Eigentümer diese Stromsperre nicht bemerkt, können Sie ohne Strom dastehen. Wenn Sie jedoch vor dem Umzug einen Stromvertrag abschließen, erfährt der Stromanbieter vom Netzbetreiber die Stromsperre und kann diese aufheben lassen.

 

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