(Stand: 11.08.2018) Ich wurde von einem interessierten Verbraucher auf das Unternehmen EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH aufmerksam gemacht. Dieser äußerte in seiner E-Mail an mich große Bedenken hinsichtlich der Solvenz des Unternehmens. Zudem häuften sich zu Beginn des Jahre 2018 die Verbraucherbeschwerden, weshalb ich mich veranlasst sah, die wichtigsten Informationen für die Bestandskunden der EVD zusammenzutragen.

EVD Erfahrungen anderer Verbraucher

Das Unternehmen EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH gehört zu den Strom- und Gasanbietern mit den meisten Verbraucherbeschwerden auf Reclabox. Die Kunden beschweren sich insbesondere über versteckte und überhöhte Preiserhöhungen sowie über verspätete Stromrechnungen und Auszahlungen von Guthaben. Die folgende Abbildung zeigt, dass deutlich weniger Beschwerden gegenüber EVD im Vergleich zu den anderen aufgeführten Stromanbietern vorliegen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der Stromanbieter EVD EnergieVersorgung Deutschland deutlich kleiner ist als alle anderen aufgeführten Unternehmen. Zudem akquiriert das Unternehmen anscheinend keine neuen Kunden (ich konnte zu mindestens weder über Check24, Verivox oder über deren eigenen Internetseite eine Möglichkeit zum Wechseln finden).

EVD Erfahrungen 2018

Neben der hohen Anzahl an Verbraucherbeschwerden ist auffällig, dass ich die Kundenbewertungen auf Check24 gar nicht erst finden konnte und auf Verivox mit 58% sehr schlecht ausfallen (Stand: 05.05.2018). Die Kunden beklagten auf Verivox insbesondere die Preiserhöhungen.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit der 365 AG, Fuxx Sparenergie und ExtraEnergie kann ich Wunderwerk AG nicht weiterempfehlen. Anstelle von Wunderwerk empfehle ich Ihnen, mit meiner Hilfe einen seriösen  Stromanbieter auszuwählen. Auf dieser Seite finden Sie u.a. eine Liste mit seriösen und unseriösen Stromanbietern. Ich stütze meine Einschätzung auf die Beschwerdestatistik, eine Studie zur Verbraucherfreundlichkeit von AGBs und vier Strom- und Gasanbietertests zu Servicequalität.

seriöse Stromanbieter

Ist EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH insolvent?

Diese Frage wurde im Forum des Bundes der Energieversorger gestellt (siehe hier und hier). Anlass der Frage ist, dass das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2012 ein negatives Eigenkapital ausweist. Im Jahr 2014 betrug das bilanzielle Eigenkapital -7,7 Mio. € und in 2015 -5,3 Mio. €. Leider liegen keine neueren Geschäftsberichte im Bundesanzeiger vor (Stand: 11.08.2018).

Das negative Eigenkapital stellt allem Anschein nach kein Problem für den alleinigen Geschäftsführer Thomas Stiegler dar:

„Nach Einschätzung der Geschäftsführung steht dieser Feststellung eine Fortführung des Unternehmens jedoch nicht entgegen, da aus der mittelfristigen Unternehmensplanung eine positive Fortführungs- bzw. Fortbestehensprognose abzuleiten ist und da die in der Planung enthaltene Finanzplanung nicht zu der Annahme führt, dass dem Unternehmen die Zahlungsfähigkeit droht.“ (Geschäftsbericht 2014)

Als ich mir den Geschäftsbericht und die Forenbeiträge durchgelesen habe, war ich sehr verwundert. Ich bin kein Wirtschaftsprüfer, aber ein promovierter Betriebswirt. In meiner 9-jährigen Ausbildung und in meiner beruflichen Praxis ist mir nicht bewusst gewesen, dass die Insolvenz eines Unternehmens trotz negativem Eigenkapital aufgrund einer optimistischen Unternehmensplanung abgewendet werden kann. Schande über mein Haupt!

Neben dieser Tatsache irritieren mich drei weitere Fakten:

  1. Das Unternehmen verlor in 2015 68.840 Kunden und hatte im Durchschnitt nur 66.466 Kunden. Demnach verließen in großen Massen die Verbraucher das Unternehmen. Dies ist aus meiner Sicht äußerst problematisch, weil Stromdiscounter im ersten Vertragsjahr hohe Verluste einfahren, die sie mit Hilfe einer langjährigen Kundenbindung wieder kompensieren müssen (Studie A.T. Kearney 2012). Anhand des hohen Kundenverlusts kann ich somit keine positive Entwicklung ableiten.
  2. Auch die Finanzierung des Unternehmens sehe ich kritisch. Da das Unternehmen keine Kredite von Dritten aufnahm, finanziert es sich anscheinend ausschließlich über die Kunden. „Das Handelsgeschäft der EVD wird im Berichtszeitraum im Wesentlichen darüber finanziert, dass die Gesellschaft von ihren Kunden am Beginn des jeweiligen Monats Vorauszahlungen für die entsprechenden Versorgungsleitungen vereinnahmt. Die Aufnahme von Krediten von Dritten war nicht notwendig.“ (Geschäftsbericht 2015)
  3. Das Unternehmen hat das Geschäftsjahr 2016 noch nicht veröffentlicht, obwohl aus meiner Sicht die Frist längst abgelaufen ist.
2015 2014 Delta
– Kundenbestand (Ø) 66.466 92.323 -25.857
– Kundenzugänge 21.446 89.081 -67.635
– Kundenabgänge 68.840 21.976 46.864
Bilanzielles Eigenkapital (in T€) -5.316,6 -7.687,8 2.371,2

EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH Geschäftsbericht 2015

Empfehlungen für Bestandskunden der EVD EnergieVersorgung

Versteckte und überhöhte Preiserhöhungen

Preiserhöhungen müssen transparent mitgeteilt werden. Zudem dürften Preiserhöhungen von >10% unzulässig sein, weil nur Kostensteigerungen an die Verbraucher weitergegeben werden dürfen. Das Unternehmen darf aber nicht den eigenen Gewinn nachträglich erhöhen.

Auf Reclabox beschweren sich zunehmend Verbraucher über Preiserhöhungen von 30% und mehr, die nicht angekündigt wurden. Ich sehe sehr gute Erfolgsaussichten und empfehle, die Schlichtungsstelle zeitnah einzuschalten, sofern das Unternehmen die Preiserhöhung vollständig (!) zurück nimmt. Weiterführende Hinweise zur (Un)Zulässigkeit von Preiserhöhungen und wie Sie sich wehren können, finden Sie hier.

Verweigerung des Neukundenbonus

Anscheinend enthalten die AGBs verbraucherkritische Klauseln, die z.B. den Bonus einschränken, sofern der Verbraucher gewerblich tätig ist. Einschränkungen dieser Art sind in vielen Fällen unzulässig. Auf meiner Internetseite finden Verbraucher Argumente und Hinweise zum weiteren Vorgehen, um den Bonus erfolgreich einzufordern.

Rechnungen nicht erstellt, Guthaben nicht ausgezahlt

Wenn EVD EnergieVersorgung Deutschland Insolvenz anmeldet, geht das Guthaben der Verbraucher verloren. Aus diesem Grund rate ich allen Verbrauchern sicherzustellen, dass die Rechnungen spätestens 6 Wochen nach Abrechnungsperiode erstellt und das Guthaben spätestens zwei Wochen danach ausgezahlt wird. Falls dies nicht geschieht, empfehle ich mit der Schlichtungsstelle zu drohen. Weiterführende Hinweise finden Sie hier.

EVD EnergieVersorgung richtig kündigen

Anscheinend gab es in der Vergangenheit Probleme mit der Kündigung – auch weil unklar war, welche Kündigungsfrist gilt. Vor diesem Hintergrund empfehle ich so früh wie möglich zu kündigen. Wenn die Kündigungsfrist bald abläuft, empfehle ich per Einschreiben zu kündigen. Dadurch können Sie nachweisen, dass der Stromanbieter die Kündigung auch tatsächlich erhalten hat. Wenn Ihnen genügend Zeit bleibt, können Sie zuerst auch versuchen per E-Mail zu kündigen, um die Kosten für die postalische Kündigung zu sparen. Falls der Stromanbieter Ihnen nach zwei Wochen keine Kündigungsbestätigung zukommen lässt, haben Sie noch genügend Zeit die Kündigung postalisch per Einschreiben zu versenden. Weiterführende Hinweise zur Kündigung finden Sie hier.

 

In diesem Text hat der Autor seine Meinung wiedergegeben. Hierzu hat er sorgfältig recherchiert. Trotz dieser Sorgfalt sind Fehler oder Ungenauigkeiten nicht auszuschließen und dieser Text stellt keine (Rechts-)Beratung dar.

Welche Erfahrungen haben Sie mit EVD EnergieVersorgung gemacht? Mit Ihrem Kommentar können Sie andere Verbraucher bei deren Problemen unterstützen!

3 Gedanken zu „EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH – immer noch solvent?

  • 31. Juli 2018 um 11:53
    Permalink

    Auch wir sind von einer extremen Preissteigerungvon EVD von 0,2428 € auf 0,3212 € (32,29 %) des Arbeitspreises betroffen. Wir erhielten die tel. Information, dass wir per E-Mail rechtzeitig über die Preiserhöhung informiert worden wären. Somit wäre die Preiserhöhung und damit verbunden die Abschlagszahlungen auch in dieser Extremform Rechtens. Allerdings konnten wir eine entsprechende E-Mail nicht finden.
    Was uns ebenfalls umtreibt ist die Frage, was eine mögliche Insolvenz für uns als Stromkunde bedeuten würde. Kann uns darüber jemand Auskunft geben?

    Antworten
  • 26. Juli 2018 um 11:37
    Permalink

    „Einen Teil der gestiegenen Kosten müssen wir zum 01.07.2018 umlegen. Ihr Arbeitspreis verändert sich auf 33,08 Cent/kWh (brutto). Ihr monatlicher Grundpreis verändert sich nicht. Alle weiteren Preiskonditionen bleiben wie vertraglich vereinbart unverändert. Sie haben das Recht, Ihren Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist auf den Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Anpassung in Textform zu kündigen. “
    Mein Arbeitspreis ist von 0,211 € auf 0,3308 € angehoben .
    Email habe ich im Spamfach viel später gefunden.
    Versuche jetzt zu kündigen.

    Antworten

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