Ist Ihre Stromrechnung fehlerhaft (z.B. Boni vergessen; falsche Abschlagszahlungen, Zählerstände oder Tarifpreise)?

Wenn Ihre Stromrechnung überraschend gestiegen ist, dann sollten Sie aktiv werden. Nehmen Sie Ihre Abrechnung in die Hand und gehen Sie am besten die folgenden Fragen durch:

Wurde der zugesagte Bonus verweigert?

Wenn Sie in Ihrer Abrechnung einen Bonus vermissen, dann sollten Sie bei Ihrem Versorger nachfragen. Es besteht die Gefahr, dass der Versorger Ihren Bonus verweigert. Falls dies der Fall ist, wird Ihnen hier weitere Hilfe angeboten.

Wurde ein anderer Grund- und Arbeitspreis verwendet?

Stromversorger bieten häufig Ihren Kunden unterschiedliche Tarife an. Gleichen Sie daher den Grund- und den Arbeitspreis mit den vereinbarten Konditionen ab. Entweder wurde Ihnen ein falscher Tarif in Rechnung gestellt, oder der Versorger hat die Preise angepasst. Wenn Sie der Auffassung sind, dass die Preiserhöhung versteckt war, dann erhalten Sie hier weiteren Rat. Es ist auch denkbar, dass Ihr Stromanbieter zu hohe hoheitliche Umlagen auf Ihren Arbeitspreis aufschlägt. Die hoheitlichen Umlagen variieren zwischen den Anbietern. Wenn allerdings Ihr Anbieter höhere Umlagen als der Durchschnittsversorger einpreist, dann sollten Sie aktiv werden. Folgende Tabelle listet die wichtigsten hoheitlichen Umlagen für Durchschnittliches Einzelhandelspreisniveau für Haushaltskunden je Vertragskategorie für den Abnahmefall 3.500 kWh im Jahr auf (Quelle S. 207).

Ist Ihr Verbrauch deutlich höher ausgewiesen als erwartet?

Die Verbrauchsangabe in der Abrechnung kann wegen folgender Gründe fehlerhaft sein:

  • Zählerstände sind falsch: Dies kann auf Ablesefehler, Zahlendreher oder aufgrund vertauschter Zählernummern zurückzuführen sein. Interessanter Weise werden über diese Fehler bei einigen Anbietern überraschend häufiger im Internet berichtet… Notieren Sie sich die Zählerstande zum Abrechnungszeitpunkt und vergleichen Sie diese mit den Angaben in der Abrechnung.
    In einem Urteil aus November 2016 entschied das Landgericht Magdeburg (AZ: 11 O 405/16), dass der Versorger unplausible und starke Verbrauchserhöhung erklären und einen Abrechnungsfehler ausschließen muss. In dem betrachteten Fall hat eine Familie laut Zähler mehr als sieben mal so viel Strom verbraucht als in der Vorperiode ohne ersichtlichen Grund: Weder das Verbrauchsverhalten habe sich geändert als auch Fehler in der Haushaltselektronik konnten ausgeschlossen werden.
  • Schätzung des Verbrauchs: Der Stromversorger darf den Verbrauch schätzen, wenn der Kunde beim Wechsel dem Versorger den Zählerstand nicht mitteilt. Die Schätzung fällt häufig zum Nachteil des Kunden aus. Versuchen Sie Ihren Zählerstand zum Abrechnungsbeginn (z.B. anhand der Rechnung aus dem Vorjahr) und zum Abrechnungsende herauszufinden und legen Sie dar, dass die Schätzung zu hoch ausgefallen ist.
  • Zähler fehlerhaft: Defekte Stromzähler sind selten, aber möglich. Sie können veranlassen, dass der Zähler überprüft wird. Wenn Sie mit Ihrer Vermutung allerdings daneben liegen, müssen Sie die Kosten der Prüfung bezahlen.

In Zukunft sollten Sie Zählerstände zum Abrechnungsende stets notieren und ihrem Versorger mitteilen.

Wurden nicht alle Abschlagszahlungen berücksichtigt?

In der Regel zahlen Verbraucher 12 Abschläge. Wenn nicht alle Abschläge berücksichtigt wurden, sollten Sie nachprüfen, wie viele Abschläge Sie in welcher Höhe Ihrem Versorger überwiesen haben. Denkbar wäre auch, dass aufgrund von Terminüberschneidungen eine Abschlagszahlung noch nicht berücksichtigt werden konnte.

Liegt ein Berechnungsfehler vor?

Der Rechnungsbetrag ist eigentlich ziemlich einfach zu ermitteln:

Stromkosten = Grundpreis x Anzahl Monate + Arbeitspreis x Verbrauch – Bonus

Ob Sie nachzahlen müssen oder ob Ihnen ein Guthaben zusteht, ermitteln Sie, indem Sie den Stromkosten die Summe der geleisteten Abschlagszahlungen gegenüberstellen. 40 EnWG Abs(1) besagt: „Rechnungen für Energielieferungen an Letztverbraucher müssen einfach und verständlich sein.“ In den allermeisten Fällen müsste es somit ein Leichtes sein, die Abrechnung nachrechnen zu können.

Bei einigen Stromanbietern ist die Stromabrechnung sehr intransparent. Die Bruttopreise für Arbeitspreis und Grundpreis, die den Kunden im Belieferungsvertrag mitgeteilt werden, erscheinen nicht auf der Abrechnung. Stattdessen werden Nettopreise bei der Berechnung herangezogen und die Steuern zum Schluss in Summe hinzuaddiert. Aber auch in diesem Fall müssen Sie auf das gleiche Ergebnis kommen, wenn Sie nachrechnen. Lassen Sie sich also durch diese Nettoberechnung nicht verwirren!

Achten Sie auch darauf, dass Ihr Bonus im vollen Umfang Ihnen gut geschrieben wird. In Foren wird berichtet, dass einige Anbieter anstatt des 25%-Bonus nur einen kleineren Prozentsatz gewähren oder dass der Bonus nur auf dem Arbeitspreis angesetzt wird. Bleiben Sie auch dabei konsequent und fordern Sie Ihr Recht ein.

Sind unterjährige Preisanpassungen vorgenommen worden?

Sofern eine Anpassung des Arbeitspreises unterjährig vorgenommen wird, muss der Jahresverbrauch auf die Zeit vor und nach der Preiserhöhung aufgeteilt werden. Wenn der Versorger Ihnen einen höheren Verbrauch nach der Preiserhöhung als vor der Preiserhöhung unterstellt, sollten Sie nach einer Begründung dafür fragen.

Sind weitere Daten auf der Stromrechnung fehlerhaft?

Nach §40 Abs 2 EnWG muss die Rechnung u.a. folgende Informationen erhalten: Kundennummer, Name und Anschrift des Kunden sowie Name, Adresse und Steuernummer des Versorgers. Wenn die Angaben unvollständig oder fehlerhaft sind, sollten Sie bei Ihrem Anbieter nachfragen. Es besteht theoretisch die Gefahr, dass Sie die falsche Rechnung erhalten haben.

Muss die Stromrechnung bei offensichtlichen Fehlern oder bei ausgesprochener Beschwerde (z.B. verweigerter Bonus) bezahlt werden?

Wenn Sie einen oder mehrere offensichtliche Fehler gefunden haben, dann reklamieren Sie diese mit einer aussagekräftigen Begründung. Der unstrittige Betrag der Abrechnung muss von Ihnen beglichen werden. Teile des Rechnungsbetrags, die Sie bereits reklamiert haben oder offensichtlich falsch sind, müssen Sie erst bezahlen, wenn der Stromanbieter diese Anteile korrigiert oder als richtig belegt.

Anders sieht es aus, wenn es strittig ist, ob z.B. eine Preiserhöhung versteckt war oder ob Ihnen der Neukundenbonus zusteht (siehe Übersicht möglicher Beschwerden). Da insbesondere bei unseriösen Stromanbietern jedoch die Gefahr von Mahngebühren und Feststellungsklagen drohen, könnte man eine Zahlung unter Vorbehalt wählen. Die unter Vorbehalt geleisteten Zahlungen wird der Stromanbieter aber höchstwahrscheinlich nicht mehr herausrücken, so dass der Verbraucher gezwungen ist, vor der gesetzlichen Verjährung auf Rückforderung zu klagen. In dem Fall hat der Verbraucher allerdings das Beweislast für die Berechtigung der Forderung. Wenn der Verbraucher allerdings von Anfang an die Beträge aus der Preiserhöhung verweigert, dann hat der Versorger nachzuweisen, dass seine Forderungen berechtigt sind. Fazit: Wenn Sie bereit sind das Risiko einer Klage einzugehen, dann sollten Sie die strittigen Beträge verweigern. Eine Zahlung unter Vorbehalt würde Ihre rechtliche Position verschlechtern.

Ratschlag zum weiteren Vorgehen:

Wenn Ihnen ein oder mehrere Fehler in der Stromabrechnung aufgefallen sind, dann widersprechen Sie der Abrechnung und begründen Sie Ihren Sachverhalt. Berechnen Sie am besten auch, wie hoch die Stromkosten nach Ihrer Ansicht hätten ausfallen müssen. Wenn Ihr Stromanbieter nicht wie erhofft oder nicht zeitnah reagiert, empfehle ich eine Beschwerde auf Reclabox einzureichen. Ihr Fall wird dadurch öffentlich. Dies sollte helfen, dass Ihre Beschwerde schneller bearbeitet wird. Im Gegensatz zur Schlichtungsstelle brauchen Sie Ihrem Stromanbieter auch nicht vier Wochen Zeit zu geben. Dies ist nämlich die Voraussetzung, bevor die Schlichtungsstelle aktiv werden darf. Zudem sinkt die Gefahr, dass der Stromanbieter gegen Sie klagt. Für Ihren Stromanbieter ist die Schlichtungsstelle kostenpflichtig. Die Kosten kann dieser nur mit Hilfe einer Feststellungsklage gegen Sie umgehen. Einige Stromanbieter setzen dieses Mittel regelmäßig ein. Aus diesem Grund empfehle ich, die Schlichtungsstelle erst nach einer Veröffentlichung auf Reclabox einzuschalten und auch nur dann, wenn Sie gute Erfolgsaussichten im Falle eines Rechtsstreits haben.

Unseriöse Stromanbieter kosten Zeit und Kraft – suchen Sie sich lieber ein seriöses Unternehmen aus. Häufig sind seriöse Stromanbieter nicht teurer. Ich empfehle Ihnen u.a. Stromanbieter mit vielen Verbraucherbeschwerden zu meiden. Achten Sie auch darauf, dass Ihr neuer Anbieter bereits seit ein paar Jahren am Markt aktiv ist. Wie Sie ganz einfach einen seriösen Stromanbieter finden, erfahren Sie hier:

Dieser Text gibt die Meinung des Verfassers wieder und ist keine Rechtsberatung. Dieser Text wurde nach besten Wissen und Gewissen erstellt. Obwohl mit großer Sorgfalt recherchiert wurde, sind  Unvollständigkeiten oder Fehler nicht auszuschließen.  Dieser Text ersetzt keine rechtliche Beratung. Bei den genannten Verbraucherbeschwerden stützt sich der Autor auf die Seite de.reclabox.com.

Fragen / Anmerkungen / Erfahrungen

Wenn Sie Anmerkungen & Fragen haben, oder über Ihre persönlichen Erfahrungen berichten möchten, dann freue ich mich über einen Kommentar von Ihnen! Auf diese Weise tragen Sie dazu bei, dass auch andere betroffene Verbraucher von Ihrem Wissen profitieren.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*