Seriöse Stromanbieter sind sehr darauf bedacht, kundenfreundlich zu handeln. Sie fordern keine überhöhten Mahngebühren und schalten Inkassounternehmen nur bei berechtigten Forderungen ein. Bei unseriösen Stromdiscountern werden zu hohe Mahngebühren berechnet und Inkassounternehmen werden häufig sehr schnell beauftragt und. Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass durch das Einschalten von Inkassounternehmen Verbraucher unter Druck gesetzt werden sollen, um unberechtigte Forderungen durchzusetzen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sich gegen unzulässige Mahnungen und Inkassounternehmen erfolgreich wehren können.

 

Gründe, wann unseriöse Stromdiscounter unberechtigte Forderungen mit Hilfe von Inkassounternehmen eintreiben

In den vergangenen Jahren berichten Verbraucher vermehrt über unberechtigten Forderungen von unseriösen Stromdiscountern. Besonders häufig bemängeln Verbraucher,

  • versteckte und starke Preiserhöhungen,
  • fehlerhafte Abrechnungen (z.B. falsche Zählerstände),
  • verweigerte Boni und
  • Nichterfüllungsschäden aufgrund vorzeitiger Vertragskündigung.

Mit diesen fragwürdigen Praktiken scheinen einige Stromanbieter einen Zusatzgewinn zu realisieren. Legt der Verbraucher Einspruch dagegen ein und verweigert Zahlungen, reagieren die Stromdiscounter häufig, indem sie Inkassounternehmen eingeschalten. Beim Stromanbieter 365 AG (inkl. immergrün, Almado, Meisterstrom) und Fuxx Sparenergie (inkl. Grüner Funke, Fuxx, Plusstrom) beklagten Kunden sogar, dass der Versorger das Lastschriftmandat unbemerkt gekündigt hat und sie dadurch in Zahlungsverzug gerieten.

Empfehlung: Mahngebühren und Inkassounternehmen erfolgreich abwehren

Wenn die Forderungen unberechtigt ist

Grundsätzlich sollten aus meiner Sicht Verbraucher nur berechtigte Forderungen begleichen. Ob eine Forderung berechtigt ist, können Sie mit Hilfe dieser Internetseite herausfinden und im Zweifel mich auch kontaktieren. Sie können eine nicht berechtigte Forderung unter Vorbehalt bezahlen. Damit geben Sie zu erkennen, dass er Sie gegenüber dem Stromanbieter die geltend gemachte Forderung nicht anerkennen. Auf diese Weise verhindern Sie, dass Sie (weiter) vom Inkassounternehmen verfolgt werden. Allerdings müssten Sie dann häufig das Geld vor Gericht zurück klagen und nachweisen, dass die Forderung des Stromanbieters unberechtigt ist. Vor diesem Hintergrund bevorzuge ich, solche Forderungen nicht zu begleichen. Wichtig ist, dass Sie dem Stromanbieter (wenn nicht schon geschehen) und, sofern eingeschaltet, dem Inkassounternehmen (oder Inkasso-Rechtsanwaltskanzlei) den Widerspruch schriftlich der Einschreiben mit Rückschein begründen. Selbstverständlich bleibt eine unberechtigte Forderung und die daraus resultierenden Verzugskosten bzw. Inkassogebühren auch dann ungerechtfertigt, auch wenn der Stromanbieter oder ein Inkassounternehmen hierüber Mahnungen erlässt. Ich empfehle, dass Sie Ihren Einspruch konsequent aufrecht zu halten. Wenn ein Inkassobüro eingeschaltet wurde, muss dieses Rücksprache mit dem Auftraggeber halten und den Sachverhalt klären. Bei einem seriösen Inkassounternehmen wird die Mahnung zurückgenommen und die Forderung an den Stromanbieter zurückgeben.

Damit die Mahnkosten nicht weiter ansteigen, ist es wichtig, dass Sie den Sachverhalt schnell mit dem Stromanbieter klären. Wenn der Stromanbieter auf Ihre Bedenken nicht eingeht, sollten Sie eine Beschwerde auf Reclabox schalten und danach die Schlichtungsstelle einschalten.

Wenn zu hohe Mahnkosten berechnet wurden

Die zulässige Höhe der Mahngebühren ist nicht eindeutig gesetzlich geregelt. Häufig werden in der Rechtsprechung Kosten bis 3€ anerkannt, wenn der Stromanbieter selbst mahnt. Die Mahnpauschalen dürfen lediglich die angefallenen Kosten für Porto und Material (z.B. Papier und Briefumschlag) beinhalten. Kosten für Verwaltung, Personal und Technik dürfen dem Verbraucher nicht auferlegt werden.

Bei Primastrom waren in den AGBs von 2015 Mahnpauschalen von 5€ für die erste und 7,50€ für die zweite Mahnung sowie 10€ für das telefonische Inkasso festgelegt (Quelle). Diese Mahnkosten waren nicht zulässig, denn das Gesetz steht über den AGBs der Stromanbieter. Mahnkosten von 5€ oder mehr sahen z.B. die Richter am Landgericht Frankenthal (Az.: 6 O 281/12) als nicht zulässig an. Vor diesem Hintergrund reduzierten Stromanbieter wie Primagas die Mahnkosten auf 2,50€.

Wenn ein Inkassounternehmen oder eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt wird, dürfen höhere Kosten berechnet werden. Die Höhe der Mahnkosten orientiert sich dabei am Gegenstandswert der Forderung. Die zulässige Höhe der Mahnkosten können Sie hier nachprüfen.

Ab wann dürfen Stromanbieter Mahnkosten erheben?

In den meisten Fällen tritt der Verzug erst nach der ersten Mahnung ein. Die erste Mahnung soll als „Zahlungserinnerung“ dienen. Der Kunde wird gewarnt und bekommt die Gelegenheit, den offenen Betrag zu begleichen. Ab der zweiten Mahnung darf der Gläubiger weitere Schritte einleiten. Der BGH hat jedoch entschieden, dass Stromkunden unter bestimmten Voraussetzungen bereits bei Verzug mit Mahnkosten rechnen müssen.

Wenn der Stromanbieter die Fälligkeitstermine für die zukünftigen Abschlagszahlungen bereits konkret benannt hat und das Geld zu den genannten Terminen nicht beim Stromanbieter angekommen ist, geraten Verbraucher gem. § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB auch ohne eine Mahnung sofort in Verzug. Wenn Verbraucher z.B. zum 1. eines jeden Monats den Abschlag bezahlen sollen, das Geld aber erst am 2. des Monats auf das Konto des Stromanbieters eingegangen ist, kann der Stromanbieter einen Verzugsschaden geltend machen. Die Mahnungen erfolgen häufig voll automatisch, sodass bei unseriösen Stromanbietern bereits am 2. des Monats die Mahnung rausgeschickt wird und Mahnkosten anfallen. Auch wenn der Verbraucher in der Stromrechnung auf eine Nachzahlung mit konkretem Fälligkeitsdatum hingewiesen wird, dürfen Mahnkosten bereits mit der ersten Mahnung erhoben werden.

Erfolgen mehrere Mahnungen, muss die Frist zwischen diesen angemessen sein und mindestens 10 bis 14 Werktage betragen.

Keine Angst vor Schufa-Eintragung

Ein Schufa-Eintrag droht Ihnen nur, wenn Sie der Forderung nicht widersprochen haben. dürfen nur Forderungen eingetragen werden, denen nicht widersprochen wurden. Haben Sie ungerechtfertigte Forderungen Ihres Stromanbieters widersprochen, so handelt es sich um eine bestrittene Forderung. Diese darf nicht an die Schufa weiter gegeben werden.

Bei dem Text handelt es sich nicht um eine (rechtliche) Beratung, sondern um die persönliche Einschätzung des Autors, die sich aus Erfahrungen zahlreicher Verbraucher und Verbraucherschützer ergibt.

Stromanbieter und ihre Inkassounternehmen

Stromdiscounter beauftragen in der Regel immer das gleiche Inkassounternehmen und es ist keine Seltenheit, dass das Inkassounternehmen rechtlich mit dem Stromdiscounter verbunden ist. Wenn unzulässige Forderungen durchgesetzt werden sollen, profitiert der Stromanbieter doppelt: Er baut Druck beim Kunden auf und verdient an den Inkassogebühren. Die Stromdiscounter mit den meisten Verbraucherbeschwerden und ihre Inkassounternehmen sind nachfolgend aufgelistet:

Stromanbieter Inkassounternehmen
ExtraEnergie (inkl. ExtraStrom, Hitstrom und Priostrom) Muth & Faust; eg factory
Fuxx Sparenergie (inkl. Grüner Funke, Fuxx, Plusstrom) Agilis Inkasso
CareEnergy EWD-Inkasso; Creditreform
Stromio (inkl. GrünweltEnergie) Tesch Inkasso; Stromio-Inkassotech
BEV (Bayerische Energieversorgungsgesellschaft) Kanzlei Stapf
Primastrom  ADVOVOX Rechtsanwalts GmbH
365 AG (inkl. immergrün, Almado, Meisterstrom) EWD-Inkasso; SMB Rechtsanwälte
Voxenergie
Enervatis

Quelle: eigene Recherche

Insbesondere wenn Sie Kunden bei den aufgeführten Stromanbietern sind, sollten Sie kritisch prüfen, ob die Forderung des Inkassounternehmens berechtigt ist.

Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und wurde nach besten Wissen und Gewissen erstellt. Hier werden Fakten und die Meinung des Autors wiedergegeben. Obwohl mit großer Sorgfalt recherchiert wurde, sind  Unvollständigkeiten oder Fehler nicht auszuschließen.  Dieser Text ersetzt keine rechtliche Beratung.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Mahnungen und Inkassounternehmen von unseriösen Stromanbietern gemacht? Hinterlassen Sie einen Kommentar, um anderen Verbrauchern zu helfen.

Mahnungen und Inkassounternehmen von unseriösen Stromdiscountern richtig abwehren
 

2 Gedanken zu „Mahnungen und Inkassounternehmen von unseriösen Stromdiscountern richtig abwehren

  • 3. April 2018 um 21:55
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Dr. Moeschler,

    leider bin ich in 2012 auch in die VERIVOX-Falle getappt und Kunde bei Priostrom GmbH geworden.
    Nach zehn Monaten Bezug habe ich dann mehr zufällig herausgefunden was mir wohl noch bevorstehen würde. Ja, ich klagte nicht … und es kam schlimmer. Das Übliche: versteckte Preiserhöhung in der Info Email – nicht beachtet. Fristlos aus besonderem Grund gekündigt wegen des Verhaltens von der Ben-Moshe – Gang im Sommer 2013. Guthaben aus der jährlichen Abschlagszahlung über 360 € nur zu 2/3 erstattet nach Mahnungen und Drohbriefen. Zwei Monate Forderungen über den Leistungsbezug hinaus. Erste stümperhafte Inkassohandlung durch eg factory GmbH, Tochter von Priostrom. Abgewendet durch deutlich formulierten Brief und Widerruf aller Forderungen. Etwas Pause, dann erster Angriff durch Muth & Faust 2014 – Partnerunternehmen – Energie – Holding von Moti ( Ben-moshe). Eine sachliche Email von mir mit voll umfänglichem Widerruf aller Forderungen. Februar 2015 Mahnung vom AG Hagen mit Fantasieforderung en. Widerspruch durch mich im März 2015. Anlagen: Eindeutige Dokumentation zum Geschäftsverhalten von der Ben-Moshe – Bande. Trügerische Ruhe bis heute – März 2018. Es folgt ein Faustschlag in mein Gesicht. Kanzlei Muth & Faus hat in 2016 meine aktuelle Anschrift ermittelt und die einer gelangweilten Richterin am AG Rottweil zukommen lassen – gleich mit Empfehlung ein besonderes verkürztes Verfahren anzuwenden. Folge daraus: Förmliche Zustellung Beschluss vom AG Rottweil, Handlungszwang für mich binnen 2 Wochen oder gleich pauschal verurteilt. Mein RA ist einer der „besseren“ in Hagen… sagt man. Ob das auch für bitterarme Frührentner so ist? Wird sich zeigen. Wenn seine Leistung teurer ist als die Gesamtforderung aus dem Rechtsstreit … habe ich wieder viel dazugelernt. Haben Sie bitte ein paar brauchbare Tips für mich.
    Freundliche Grüße

     
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    • 2. April 2018 um 20:55
      Permalink

      Sehr geehrter Herr Hill,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bin erschrocken, über welchen Zeitraum Sie das Unternehmen verfolgt. Zudem sind die rechtlichen Schritte völlig überzogen, wenn man betrachtet, um wie viel Geld es geht.

      Am besten wird Ihnen der Rechtsanwalt weiterhelfen können, weil ich selber kein Rechtsanwalt bin. Allerdings kann ich gerne inhaltlich unterstützen. Können Sie mir dazu sagen, wie Muth & Faust die Forderung begründen? Da müssen wir ansetzen.
      Die Schlichtungsstelle können wir leider nicht mehr einschalten…

       
      Antworten

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